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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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das ursprüngliche bild der flutli

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schein widerlegt. Darsteller anderer Zeiten und länder habensehr wohl die 'natürliche erscheinung des flusses wieder-zugeben verstanden, ohne zu solchen erhebungen des Wasser-spiegels zu greifen. Auch wird diese auffassung durch diebilderreihe widerlegt, worin der Jordan als aus zwei quellen(JorundDan) zusammenfliessend dargestellt wird 1 2 : aus zweiurnen oder aus zwei mäulern von quellgöttern fliessen diewasser, die sich sofort zu dem fluthenberge thürmen. Ausser-dem gibt es eine anzahl von bildern, in welchen die wellen-zacken so deutlich hervorgehoben werden, dass die absichtder ktinstler, das aufbrausen des wassers auszudrücken, zwei-fellos ist 2 . Auch ohne die letzte quelle und die kanäle,welche diese Vorstellung zu den deutschen stammen führte,nachweisen zu können, dürfen wir das aufwogen des Jor-dan als einen überlieferten mythischen zug in dem bilde derJordantaufe betrachten.

Nach der mitte des IV Jahrhunderts hat man begonnendie herabkunft Gottes auf erden als menschwerdung am weih-nachtstage zu feiern. Die mythische vorstellungsweise, unterwelche die taufe Christi gefallen war, musste sich nun un-willkürlich auch für die menschwerdung Gottes geltend ma-chen. Wir haben gesehen, wie nach volkstümlichem liededas göttliche schiff gefahren kommt, das den Christusknabenträgt. Wir werden uns nicht wundern, wenn wir hören, dassin der geburtsnacht ein grosses wasser herankommt, das denfür den altar bestimmten fisch,, dh. den heiland selbst heran-trägt. Es ist ein religiöses Volkslied der Eifel 3 , in welchem

1 Strzygowski s. 45 ff. mit taf. ix 5 XI 3. 4. 5. lor und Danschon bei Theodosius de situ terrae sanctae 13 p. 16 Gildem.

2 Miniaturen der evangeliarieh im Vatican von 1128 (Strzyg.IV 1), zu Paris n. 75 (Strz. IV 2), zu München (Strz. IX 3), elfenbein-schnitzerei im domsehatz von Agram (Strz. X 4) und des mnseums inBerlin (Strz. X 7), hs. des Gregorius Naz. cod. Par. n. 543 (Strz. V 1).Hervorhebung der aufgetliürmteu wogen ohne die seitlichen wellen-zacken findet sich hei Strz. IV 3. 4 XIII 5. 7 XIV 13 XV 5 XVI 1xvm 1 XX 8. 9.

3 JHSchmitz, Sitten und sagen, lieder usw. des Eifler Volkes(Trier 1856) 1, 119 f. n. 8.