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Die Sintfluthsagen / untersucht von Hermann Usener
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das ursprüngliche biftl der fluth

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sein mag. Man möchte denken, dass wie die durch das ger-manische mittelalter sich ziehende darstellung des Jordans,so auch die wasserfluth der geburtsnacht auf einer altger-manischen Vorstellung beruhe, die an den beiden genanntenstellen durch die christliche Oberfläche hindurchschlägt.

Die letzten beobachtungen stellen es ausser zweifei,dass nach alter Vorstellung der neugeborene oder wieder-kehrende liclitgott durch eine fluthwelle in die höhe getra-gen wird; die Vorstellung war so fest, dass sie ein unver-äusserlicher bestandtheil der bilder von göttlicher epiphanieblieb. Wir werden bald gelegenheit haben (s. 259 f.), unserebeobachtung über den kreis der arischen Völker auszudehnen,und dürfen somit der fraglichen Vorstellung die weiteste Ver-breitung, um nicht zu sagen allgemeingiltigkeit,, zusprechen.Erst durch die Verbindung dieser fluthvorstellung mit dembilde des in der truhe, im schiff oder auf dem delphindurchs wasser getragenen gottes ist der keim gegeben, dersich zu einer fluthsage entfalten konnte. Ob dieser keiman sich genügte, um durch organische entwicklung und ohnedazwischentreten eines anders gearteten Vorbilds die ver-schiedenen fluthsagen hervorzutreiben, das bleibt nun zuuntersuchen.

3 Zu dem ende müssen wir uns die charakteristischenziige vergegenwärtigen, aus denen sich das entwickelte bildder sintfluthsage zusammensetzt, wie es allein die semitischenberichte geben, und die beiden in erster linie uns beschäfti-genden gestaltungen, die indische und die griechische, darauf-hin prüfen, wie viel sie von jenen zügen enthalten und in-wieweit diese bestandtheile aus dem gegebenen mythischenmotiv ableitbar sind. Die in betracht kommenden bestand-theile sind

1 Ursache und zweck: Verderbtheit und Vernichtungdes menschengeschtes

2 Warnung des frommen und gerechten menschen undanweisung zum bau eines kastens oder Schiffes