VORWORT.
Dass von der fossilen Flora der Polarländer ein dritter Band erscheinen kann, habenwir lediglich den schwedischen Naturforschern zu verdanken. Sie haben mir da« Materialfür die Beiträge zur Steinkohlenflora, für die Kreide-Flora und für die Nachträge zu dermiocenen Flora Grönlands geliefert, und die Schwedische Akademie der Wissenschaften hatdiese Arbeiten in dem Xll. und XIII. Bande ihrer Abhandlungen veröffentlicht. Ich habedie Separatabdrücke dieser Abhandlungen, welche mir verstattet wurden, zu diesem drittenBande vereinigt und demselben eine Uebersicht der miocenen Flora der arctischen Zonebeigefügt. Ich habe in dieser nicht nur die in den drei Bänden beschriebenen miocenen Pflanzenzusammengestellt, sondern auch die von Prof. Nordenskiöld im Sommer 1873 in Spitzbergen gesammelten miocenen Pflanzen berücksichtigt und sie in das Verzeichniss aufgenommen.Es werden diese später mit der Steinkohlenflora des Robert Thaies und der Jura-Flora desCap Boheman in Spitzbergen veröffentlicht werden. Es hat die genauere Untersuchung dieserJura-Pflanzen mich überzeugt, dass die Baiera digitata Brgn. sp. und B. Iluttoni Sternbg.spec., zur Gattung Salisburia (Ginkgo Kaempf. L.) gehöre, daher auch die verwandte Baieramultipartita Schiinp. und. B. arctica llr. zu dieser Gattung gebracht werden müssen.
Eine zweite wichtige Berichtigung betrifft die Protopteris punctata Sternbg. Ich habediesen Baiunläru als eine Steinkohlen-Pllanze angeführt, da Sternberg die Sandsteine vonKaunitz in Boelnnen, welche bis jetzt die einzige Fundstätte dieser Art bildeten, zum Stein-koldengebirg gerechnet hat und Brongniart, Unger, Schimper u. a. m. ihm darin gefolgtsind. Auch Corda, welcher den Namen ohne Grund und daher ohne Berechtigung inProtopteris Sternbergi geändert hat, hat den Sandstein von Kaunitz als Kohlensandsteinbezeichnet. Durch Herrn Dr. Ottokar Feistmantel erfahre ich alter, dass Prof'. Krejci (aus Prag )schon vor zwanzig Jahren in der boehmischen Zeitschrift „Ziva“ den Sandstein von Kaunitz als zur Kreideformation gehörend beschrieben habe, und dass diese Altersbestimmung unzweifel-haft richtig sei. Aus den Mittheilungen ries Firn. Feistmantel entnehme ich folgendes *):„Kaunitz (oder Kounic) gehört den „ Peruteer-Schichten“ an, welche die unterste Abtheilungder boehmischen Kreidelager einnehmen und zum Cenoman gehören. Die Gesteine sind derHauptmasse nach feinkörnige Sandsteine; in diese sind eigenthümliche, sehr feine, thonige,stellenweise glinnnerige Schiefer eingelagert. Im Sandstein liegen die Farnstämme (Protop-teris punctata, Pr. Singeri Goepp., Alsophilina Kaunitziana Dormitzer und Oncopteris Nett-walli Dorm.) mit den Zapfen des Dammarites albens Presl und D. crassipes Goepp. DieSchiefer dagegen, welche tlieils an der Basis, theils aber höher oben in die Sandsteine ein-
*) Vgl. auch Feiatmantel über Baumfarnreste der boehmischen Steinkohlen-Porm- und Kreideformation, in denAbhandlungen der k. boelim. Gesellschaft der Wissenschaften VI. 5. Bd. 1872. S. 25.