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BILDSÄULEN DER GÖTTIN.
Dagegen hat man fast mit Einstimmigkeit in einersehr schönen Statue der Sammlung Giustiniani 1 die Göttinerkannt. 2
Das Gewand ist unterhalb des Bausches pfeilerartigbehandelt. Über das Hinterhaupt fällt ein Schleier. Dierechte Hand stützt die Göttin in die Seite, die linke weistnach oben. Die Göttin würde so den Herd darstellen mitseiner nach oben lodernden Flamme. Die pfeilerartige Be-handlung der unteren Gewandpartie würde den Herd sym-bolisieren, wie der aufwärts gerichtete Arm die Flamme.
Welcker 3 legt besonderes Gewicht auf die Erklärungdes «sanft, nicht stark aufgerichteten Zeigefingers.» Ermeint: «Sollte der Finger auf etwas ausser der Hestia selbstBezug haben,, z. B. auf den Himmel deuten, so müsste ernothwendig anders geformt sein. So wie die leicht undanmuthig erhobene Hand ist, scheint sie nur aufmerksamdarauf zu machen, wie auf dem Altar die Flamme, empor-strebt und spielt.» ••
So fein das gesagt ist, so wenig kann es in Betrachtkommen. Welcker hat übersehen, dass die Hand ergänztist. 4 So bleibt nur die Richtung des auf den Himmel deu-tenden Arms übrig, ein Symbol des zum Himmel loderndenFeuers, des den Himmlischen dargebrachten Cultus.
Die Darstellung der Hestia auf einer Herme, 5 welche
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1 Gal. Giust. T. I. tav. 17. E. Braun, Vorschule d. Kunstmyth.Taf. 33. Wieseler a. a. 0. n. 338, a.
2 Zuerst Hirt, Bilderb. S. 17 f. Vgl. E. Braun, griech. Götterl.S. 221. Vorsch. S. 20. Welcker in Gerhards Denkm. u. Forschgg. 1856.S. 155 ff. Wieseler a. a. 0.
3 a. a. 0. S. 156.
4 Vgl. Clarac, musee de sculpt. zu Nro. 1887 pl. 766: sont mo-dernes : le bout du nez, le fragment de voile k droite et ä gauche duvisage, la main gauche avec le poignet et quelques phalanges ä la maindroite.
6 Gerhard, antike Bildwerke. Taf. LXXXII, 1. Wieseler a. a. 0.n. 338.