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Hestia-Vesta : ein Cyclus religionsgeschichtlicher Forschungen / von August Preuner
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VESTA MATER.

erblickten, und in den Cultus der Vestaiinnen solche Ele-mente eindrangen, dass Vestas Gestalt mütterlich wurde, dasssie den Namen VESTA MATER erhielt.

Die Flamme des Herdes ist also nicht bloss ein Symbolder ewig gen Himmel dämmenden reinen Lohe; in ihremewig lebendigen Wesen und in ihrer so geheimnissvollen,Nutzen oder Schaden stiftenden Macht wird das lebendige,mächtige Wesen der Gottheit selbst erkannt.

Die Flamme ist nicht bloss Symbol des Cultus, sie istselbst Gottheit, Symbol der Gottheit eben als lebengebendund zerstörend.

Davon finden sich, wie wir sahen, in Hellas kaum Spuren;in Rom , in Ralien ist das anders.

Zwar auch hier muss mau sich sehr hüten in dieserRichtung zu weit zu gehen. Mit Feuersbrünsten hat Vestanichts zu thun. 1

Dagegen macht Mommsen auf die Bedeutung aufmerksam,welche das nie erlöschende Herdfeuer für die Gesundheit desBewohners der Campagna hat. 3 Zu dem Segen, den dasFeuer überall um sich verbreitet, trat also hier auch nochder Schutz der Gesundheit ein. Wohl mag auch diesesMoment dazu beigetragen haben, die Verehrung der heiligenFeuer in Rom zu steigern und zu nähren. Doch tritt es imCultus nirgends hervor, weder im Privatcult noch im öffent-lichen Dienst der Vesta populi Romani. 3

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1 Aus Aug. civ. Dei III, 18 kann diess selbstverständlich nicht er-schlossen werden.

8 Mommsen sagt (s. v. S. 202 A. 1), röm. Gesch. I 8 S. 35: »Inder That schützt vor der Aria cattiva nichts so sicher als das Tragender Thiervliesse und das lodernde Feuer; woraus sich erklärt, weshalbder römische Landmann beständig in schwere Wollstoffe gekleidet gingund das Feuer auf seinem Heerd nicht erlöschen liess.«

3 Mommsen a. a. 0. S. 35. 163. 166. 173 überschätzt gewiss dieBedeutung dieses Moments, wenn er S. 173 von dem »auch mit ge-sundheitspolizeilichen Rücksichten zusammenhängenden Heerd-