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Hestia-Vesta : ein Cyclus religionsgeschichtlicher Forschungen / von August Preuner
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335
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VESTA MATEE.

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Das Feuer der Vesta auf dem Staatsherd entsprichtdem Feuer auf den Herden der Privathäuser.

Und dieses Feuer in den Privathäuseru wird also zu-gleich als nahrunggebend gedacht.

Aber auch dieses verdankt seine Heiligkeit wesentlichder Verwendung im Opfer. Nicht sowol der Vesta wird aufdiesem geopfert, als vielmehr mittelst der Göttin Vesta denandern Göttern.

Doch ist schon das lateinische Wort für Feuer nach dereinen Auffassung aus einer andern Anschauung hervorge-gangen, 1 als l nvQ, oderVesta. Man leitet es ab von Wurzelag', agere, während z. B. Curtius 2 freilichignis, *agni mitaiyh 7, Glanz zusammenstellt.

Sodann könnte man aus der Verbindung von Wasserund Feuer im Culte der Vesta 3 schliessen, dass dabei dasFeuer als Element verehrt wurde. Aber jedesfalls nicht dasFeuer schlechtweg, sondern die Gottheit, deren lebendigesWalten in der stets bewegten Flaihme, in dem nie rastendenfliessenden Wasser sich besonders deutlich offenbarte.

Und sofort schlug auch hier beim Wasser wie beimFeuer die lustrierende Bedeutung vor. *

Allein immerhin ist Vesta auch die Göttin des die Fa-milien um sich sammelnden, sie nährenden Herdfeuers. Dasheilige, reine Opferfeuer ist jungfräulich, unfruchtbar, dieGöttin des nährenden Herdfeuers dagegen kann man sichkaum anders als mütterlich denken.

oder Larencult« spricht, und S. 166 sagt: »Sechs keusche Jung-frauen hatten das heilsame Feuer des Gemeindeheerds den Bürgernzum Beispiel und zum Wahrzeichen stets lodernd zu unterhalten« undsich für jenes 'zum Beispiel* auf die eben (S. 334. A. 2) angeführteBemerkung bezieht.

1 So z. B. Grimm, D. Wörterb. III S. 1581.

* Gr. Etymol. II S. 247 vgl. I S. 113.

3 S. o. S. 305 f.

S. 0 . S. 306.