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Hestia-Vesta : ein Cyclus religionsgeschichtlicher Forschungen / von August Preuner
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HEßLEITUNG DEB E. GBÜNDUNGSSAGEN.

von Bona dea andrerseits ihre Keuschheit erhoben wird . 1Vergebens suchte sie ihr Vater Faunus durch Schläge mitMyrthenruthen zu nöthigen, da sie ihm nicht einmal, als ersie trunken gemacht hatte, sich ergeben hatte. Erst, wie er sieals Schlange beschlich, vermochte er ihre Keuschheit zu rauben . 8

Dieser Mythos ist, wie so häufig in Rom , der Reflexder Cultgebräuche. Den Tempel der Göttin durfte keinMann betreten, 3 und bei dem Feste der Bona dea musstenbekanntlich alle männliche Wesen dem Hause fern sein , 4auch Thiere , 5 und selbst Bilder, die männliches darstellten,verhüllt werden, 6 ja ein Mann sollte den Namen der Göt-tin gar nicht hören. 7 Den Schlägen mit Myrthenruthenund der Trunkenheit entspricht der Brauch, dass im Tem-pel der Bona dea kein Myrthenzweig geduldet wurde, wäh-rend eine Weinlaube über ihrem Haupte sich wölbte undein Krug mit Wein neben ihr stand.

*

1 Cic. de har. resp. 17, 37; Tert. ad nat. II, 9; Serv. V. A. VIII,314: hic Faunus habuisse filiam dicitur omam castita (1. omnium castis-simam) et disciplinis Omnibus eruditam etc. Vgl. Ovid . fast. V, 153.Sofern Faunus nicht als ihr Vater, sondern als ihr Gemahl gedachtwurde, suchte man ihre Keuschheit alsdann darin, ut nemo eam quoadvixerit praeter virum suum mas viderit. Freilich führt Lactanz dafürVarro als Autorität an, während wir bei Macrob. a. a. 0. I, 12, § 27lesen: quam Varro Fauni filiam tradit adeo pudicam, ut extra yurai-xtovtTtv numquam sit egressa nec nomen eius in publico fuerit auditumnec virum umquam viderit.

1 Macrob. a. a. 0. § 24. Anders wird die Geschichte von denSchlägen mit der Myrthenruthe und der Trunkenheit da erzählt, woBona dea Gattin des Faunus heisst. S. Plut. Caes. 9; qu. R. 20;Arnob. V, 18; Lactant. I, 22, 11.

3 Ov. fast. V, 153; Lact. inst. III, 20, 4; Macr. Sat. I, 12, 26.

4 Cic. ad fam. I, 9, 4; de dom. s. 40, 105; de har. resp. V, 8;17, 37; 18, 38 (vgl. Schol. Bob. p. 3291; Ov. a. a. III, 639; Cic. parad.IV, 2, 32; Tib. I, 1, 24; Liv. perioch. CIII; Senec. ep. (XVI, 2) 97, 2;Juv. VI, 339 sqq.; Plut. Caes. 9; Cass. Dio XXXVII, 45; s. d. Stellenbei Marquardt, H. d. r. A. IV S. 290 A. 1877.

6 Juv. VI, 339.

* Juv. VI, 340 sq.; Senec. a. a. 0.

Cic. de har. resp. 17, 37.