Band 
Zweiter Theil. E-J.
Seite
558
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558 Geschwindigkeit des fließenden Wassers

schine zu leiten? Man kann es lenken, wohin man eshaben will, und da unaufhörlich ein Theil an die Stelledes andern von selbst tritt, so ist es -gar nicht zu ermü-den, wie die Thiere. Gewöhnlich vermag man auchalles zur Bewegung einer Maschine erforderliche Wasserso einzurichten, daß die Menge und Geschwindigkeit ei-nerlei bleibt; und ist dann in seiner Wirkung langenicht so veränderlich wie der Wind. Die vom Wassergetriebenen Maschinen sind daher noch immer die be-quemsten und besten. Hat man sie einmal angelegt, sokann man sie am wohlfeilsten unterhalten und fast un-unterbrochen gebrauchen.

Nun ist es aber allerdings nothwendig, die wirken-den Kräfte zu kennen, wenn man von der Größe desEffekts einer Maschine urtheilen, oder eine bestimmteWirkung durch sie hervorbringen will. Soll z. B. eineMühle an einem Bache oder Strome angelegt werden,so muß man vorher untersuchen, wie groß die Gewaltdes Stroms sey. Daraus erfahrt man denn, ob sie zuunsern Absichten hinreicht, ob wir sie ganz oder nur ei-nen Theil davon gebrauchen müssen. Man beurtheiltdie Gewalt des Stroms nach der Menge Wasser, die erin einer gewissen Zeit, z. B. einer Sekunde, schüttet.Wenn man demnach den Durchschnitt eines Baches imQuadratmaße kennte, und die Länge des Wasserkörperswüßte, der in einer Sekunde durch diese Durchschnitts,flache hindurchgefchoben würde, so wäre begreiflich dieWassernicnge in einer Sekunde in Kubikfußcn dem Pro-dukte aus der Durchfchnittsflächc in die Lange des Was-serstrahls gleich. Da nun diese Lange offenbar einerleimir der mechanischen Geschwindigkeit des Was-sers, d. h. mit dem Raume ist, den das Wasser, oderjeder noch so kleine Theil desselben, in einer Sekunde zu-rücklegt, so kömmt es zunächst darauf an, diese Ge-schwindigkeit zu finden.

Der Praktiker würde diese Aufgabe leichter oderdoch zuverlässiger auflösen können, wenn er annehmendürfte, daß die Geschwindigkeit in jeder Tiefe des