Vorwort.
Als ich im Jahre 1871 meinen llioAos Lporinutieos (ll,Xund 504 Seiten. Leipzig , W. Engelmann) heransgab, herrschteallenthalben die Aufregung des Krieges und des Sieges; eswar unruhige, ungünstige Zeit für literarische Neuigkeiten, undder Schwerpunkt des geistigen Interesses lag nicht auf der Seiteder wissenschaftlichen Forschung. Auch dem ruhmvollen Friedenfolgte indessen für unser Vaterland noch keineswegs eine Zeitinnerer, ungestörter, steter und stiller Weiterentwicklung, sonderneine Aera fieberhafter, hastiger Thätigkeit auf administrativemwie auf wirthfchaftlichem Gebiete, gewerblicher wie gesetzgeberischerNeberprodnction, eine Periode erbitterten Kampfes über kirchen-politische Fragen und Rechte, wie leidenschaftlicher Polemik übertheologische Controversen. Wie die äußeren Umstände der Ver-breitung und Würdigung neu erscheinender wissenschaftlicherSchriften während der Dauer wie nach Beendigung des Kriegeshinderlich sein mußten, so konnte auch die Idee und Absichtmeines Buches, welche eine wesentlich apologetische und irenischewar, in diesen Zeitläufen, die durch Erbitterung und Haß derNationen, durch Reibung und Streit zwischen den Konfessionen,durch Feindseligkeit und Sprachverwirrung unter den politischenParteien wie unter den theologischen Schulen ausgezeichnet sind,nicht auf Sympathie und Anerkennung rechnen.*) So lange
*) Uebrigens ist das Buch mehr oder minder eingehend und günstigbeurtheilt worden von Engelhardt in den Studien und Kritiken, von Kahmsin der Allgemeinen Lutherischen Kirchenzeitung, von Linsemann in derTübinger Quartalschrift, von Frickhöfer in dem Norddeutschen Protestanten-blatt, ferner in dem Theologischen Jahresbericht von Hauk, in der Kirchl.Chronik von Matthes für 1871, in der Neuen Evang. Kirchenzeitung u. a. m.