Sechstes Capitel.
Die Vorstellungen mmvitistrter oder wilder*) Völkervon dem Jenseits.
Wenn wir nun dazu übergehen, von den Vorstellungen überdas Leben nach dem Tode innerhalb des Fetischismus zu reden,so schicken wir die Bemerkung voraus, daß der Fetischismus nichteine längst überwundene Stufe des religiösen Bewußtseins ist,welche nur vergangenen Zeiten oder weitentfernten Nationenniedrigster Cultur specifisch eigen wäre. Nein, religiöse Vor-stellungen von der Niedrigkeit und Sinnlichkeit, wie sie bei densogenannten Heidenvölkern allgemein verbreitet und herrschendsind, kommen in Individuen und Stimmungen unter allen Culten !vor. In allen Religionen finden sich sozusagen fetischistische -Elemente, Reste einer niederen Stufe der Gotteserkenntniß und "ZlGottesverehrung. Was ist z. B. der Bilder- und Reliquie- ^dienst in der katholischen Kirche anders als ein Fetischdienst?! sFür die reinere und vernünftige Frömmigkeit sind diese Dinge aller-dings nur Symbole und Erinnerungen; aber die Fortgeschritte-neren und Besseren unter den uncivilisirten Völkerschaften habenauch keineswegs den Fetisch als solchen verehrt, sondern wohlgewußt, daß er ein todtes, Hülfloses, unnützes Stück Holz, ein
*) Das Wort „uncivilisirter oder wilder Völker" ist allerdings im aller-weitesten Sinne genommen, sonst könnte man Peruaner, Azteken und andereauf höherer Culturstufe stehende Stämme nicht hierhin rechnen. Es sthlsuns aber an einer besseren Collectivbezeichnung, und darum ergeht es "N-mit den gebrauchten Beiwörtern etwa wie mit dem Begriffe „Heiden" » eHaupt. Es wird sehr Disparates darunter subsumirt.