Elftes Capitel.
Hades und Elysrum oder das Jenseits nach der Anschauung-er Griechen.
Die Griechen oder Hellenen sind bekanntlich ein Zweig dergroßen arischen oder indogermanischen Völkerfamilie und habenmit Indern, Jraniern, Jtalikern, Germanen, Celten und Slaven einen gemeinschaftlichen Stammbaum. In uralten Zeiten warensie mit diesen blutsverwandten Völkern in gemeinsamen Wohn-sitzen vereinigt und hatten eine gemeinschaftliche, bis zu einemgewissen Grade entwickelte Cultur. Die Bildung der Familieund der Verwandtschaftsgrade, die Anfänge des Ackerbaus,des Hütten- und Hänserbanes durch die seßhaft gewordenenNomadenstämme, die Entfaltung und Gestaltung gewisser reli-giöser Ideen, wie die persönliche Auffassung der Naturerschei-nungen und die Verehrung des himmlischen Lichtes als einerGottheit gehören, wie die vergleichende Sprach- und Mythen-sorschung- 'gezeigt hat, dieser Zeit des gemeinschaftlichen Lebensder indogermanischen Völkerfamilie an.
Nach der Trennung der einzelnen Stämme blieb der griechischeZweig noch eine längere Dauer mit dem italischen als gräco-italischerBolksstamm in gemeinsamen oder benachbarten Sitzen, vielleicht imHochlande Armeniens verbunden und entwickelte die aus den Ursitzenmitgebrachten Anfänge der Cultur weiter. Mit der wahrscheinlichdurch die allmählig beginnende Wanderung nach Europa hinüberveranlaßten Trennung der beiden Stämme hebt das Sonderleben,die selbständige Existenz der griechischen Nation an, obwohl die-selbe sich noch geraume Zeit nicht als einheitliches Volk fühlteund noch nicht mit einem Collectivnamen bezeichnet wurde. Die
^pieß, <Ldm., Enlwicklungsgesch. d. Vorstellungen vorn Zustande nach dem Tode. ^8