Buch 
Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
Entstehung
Seite
X
JPEG-Download
 

X

Vorwort.

der christlichen Lehre von den letzten Dingen, so zieht sich docheine Vergleicht»^ der gefundenen Vorstellungen, Gebräuche undauf eine andre Welt sich richtenden Gedanken, Worte und Hand-lungen mit den betreffenden christlichen wie ein rother Fadendurch die ganze Untersuchung, und speciell in den einleitendenCapiteln (15) wie in der Schlußbetrachtnng (Capitel 18) istdie christliche Anschauung über das Jenseits und das aus demGesichtspunkt des Jenseits angesehene Diesseits als maßgebendeüberall in Betracht und Vergleich gezogen.

Hätte ich der christlichen Eschatologie gerecht werden wollen,so konnte das nicht in einem einzelnen Abschnitte geschehen. Umdiesen Stoff biblisch-theologisch und dogmengeschichtlich nur einiger-maßen gleichmäßig und vollständig abzuhandeln, bedürfte es einesselbständigen Werkes, welches den Nachweis zu erbringen hätte,daß und in wiefern auch in Bezug auf die Hoffnung eines Lebensnach dem Tode Christus die Erfüllung gebracht habe. Verschiedeneäußere und innere Gründe geboten mir indessen, von einer der-artigen Darstellung der christlichen Eschatologie wenigstens znrZeit abzusehen, namentlich auch in Erwägung des Umstandcs,daß das Bedürfniß nach einer solchen bereits anderweitig zur Ge-nüge Befriedigung finden kann.

Die Natur des behandelten Gegenstandes brachte es mitsich, daß sich zuweilen unwillkürlich zu vieles Empfinden in dasDenken mischte, und daß dadurch die Nüchternheit und strengeFolgerichtigkeit der Erörterung hier und da unterbrochen wurde.Wissenschaftliche Untersuchungen über andre Fragen lassen eseher zu, daß Definitionen, Argumente und Conclusionen gleichsamwie eine schön gereihte Phalanx hinter einander aufmarschircn,aber eine lebendigere, nicht blos an den Kopf, sondern auch andas Herz sich richtende Darstellung, selbst wenn sie in Folgedavon mitunter aus dem gleichmäßigen Schritt und Tact desFortschreitens gerathen sollte, hat bei einem Thema, wie dasunselige, u. E. ihr gutes, volles Recht. Der Appell an das Herzist eine Berufung an die unmittelbaren Thatsachen des Bewußtseinsder Gesammtheit, nicht an Einfälle oder Gutdünken eines ein-zelnen Individuums; und weil diese ein sehr Positives und Realessind, so können sie ohne Zweifel als Beweisinstanzen dienen.