Vorwort.
XI
Wiederholt habe ich einzelne Theile der Vergleichenden Rc-ligionsgeschichte („Sünde und Versöhnung nach heidnischer undnach christlicher Anschauung", „Ueber Volksaberglauben", „Ent-wicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode")zum Gegenstand akademischer Vorlesungen sür Zuhörer aller Facul-täten gemacht, und habe ich mich dabei jedesmal eines großen,aufmerksamen und ausdauernden Auditoriums, unter dem sichimmer verhältnißmäßig nicht wenige Juristen, Medicincr und so-genannte Philosophen befanden, zu erfreuen gehabt. Speciell fandgerade das Collegium über die Vorstellungen vom Jenseits einesehr lebhafte und constantc Theilnahme, was mir im Hinblick aufden Ernst und eine gewisse nicht zu vermeidende Monotonie desThemas oft überraschend war.
Das vorliegende Werk ist nun nicht erst aus jenen Vorlesungenentstanden, sondern lag vielmehr, so weit es damals ausgearbeitetoder doch vorbereitet war, denselben zu Grunde, und ich möchtewünschen, daß es auch diesem, mit Gottes Hülfe nunmehr beendigtenBuche gelingen möge, für den so wichtigen Gegenstand ein gleichwarmes und anhaltendes Interesse zu wecken und zu nähren, wiees die mündlichen Vortrage gefunden haben. Ich brauche kaumzu versichern, daß in dem Buche der Ertrag langer und sorgfältigerStudien niedergelegt ist. Vielfach konnte ich mich nicht strict aufdie Erwartungen in Betreff eines andern Lebens allein beschränken,sondern war genöthigt, auf die Gottcsvorstellungen sowie auf diegesummte religiös-sittliche Weltanschauung eines Volkes soweit ein-zugehen, als es entweder zur Orientirung oder aber durch den Zu-sammenhang der cschatologischen mit den religiösen Anschauungenüberhaupt geboten war. Aus diesem Grunde wird man mehr indem Buche finden, als man nach dem Titel darin vermuthet undals strenggenommen hineingehört. Besonders ist auch das Ver-zcichniß der Literatur, welche in einer Uebersicht jedem Capitelangehängt ist, so vollständig beigefügt, daß es zugleich als Reper-torium aller wichtigen Werke und Schriften über die gesammteVergleichende Religionsforschung benutzt werden kann.
Im Verlaufe der Untersuchung habe ich mich bei verschiedenenAnlässen gemäßigt gesehen, mich mit Gelehrten, welche auf dem-selben oder einem angrenzenden Gebiete, wie ich, gearbeitet haben,