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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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XII
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Vorwort.

auseinanderzusetzen. Denn es ist Pflicht eines Autors, zn wissenlind zu prüfen, was Andre vor ihm in seiner Wissenschaft ge-leistet haben, um mit den eigenen Leistungen die rechte Stellungeinzunehmen und durch die Erfahrungen seiner Vorgänger vorAbwegen und Umwegen bewahrt zn werden. Dabei bin ich vonVoraussetzungen und Grundsätzen aus zn Werke gegangen, wie sieFichte in seiner Abhandlung:Ueber das Wesen des Gelehrtenund seine Erscheinungen im Gebiete der Freiheit" (Reclam 'schcAusgabe, S. 160) in folgenden Worten ausspricht:Alle Rücksichtauf Personen ist ihm verschwunden. Auch die Persönlichkeit Andrergilt ihm der Wahrheit und der Idee gegenüber nicht mehr alsseine eigene. Es ist selbstverständlich, daß er andre Schriftstellerund Gelehrte nicht in ihren bürgerlichen oder persönlichen Ver-hältnissen angreife. Dies ist durchaus unter der Würde dessen,der es nur mit Sachen zu thun hat... aber er läßt sich keines-wegs durch die Schonung für eine Person abhalten, den Irrthumzu widerlegen und die Wahrheit an seine Stelle zu setzen. DieUnterstellung bei irgend einem Andern: er könne dadurch beleidigtwerden, daß man einen Irrthum rüge, der ihm begegnet, odereine Wahrheit aufstelle, die ihm entgangen, wäre wohl selbst diegrößte Beleidigung, die einem nur halbwegs vernünftigen Mannezugefügt werden könnte."

Wenn ich dem Buche den Titel:Entwicklungsgeschichte derVorstellungen vom Zustande nach dem Tode" gegeben habe, sowollte ich damit keineswegs ausdrücken, daß wir alle einzelnenStadien und Momente, welche die cschatologische Vorstellnngsreihedurchlaufen hat, unterscheiden und feststellen können, ohne daßLücken bleiben und Zwischenstufen fehlen, sondern daß die Ent-stehung, Ausbildung und Veränderung auch dieses Bestandtheilesdes religiösen Bewußtseinsinhaltes unter dem Gesichtspunkte eineseinheitlichen Processes zn begreifen und darzustellen ist, und daßsich eine Aufeinanderfolge von bestimmten, allerwärts sich wieder-holenden Knotenpunkten nachweisen läßt. Wir sind aber keines-wegs blos bemüht gewesen, den allmähligen Auf- und Umbau derErwartungen in Betreff des dereinftigen Geschickes der Seele desMenschen nach seinem Tode zn beschreiben, sondern wir habenüberall versucht, die Genesis und Metamorphose des Glaubens