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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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Zoroaster und seine Lehre von dem Jenseits. 253

dem Semitischen entlehnten Alphabete niedergeschrieben. Bei denErobcrungszügen der Mohammedaner ging ein großer Theildieser gesammelten Nosks verloren und nur wenige wurdenvon den Parsen nach Indien gerettet. Diese sind 1) Jayna.eine Sammlung von Gebeten und Hymnen an die Gottheitendes Zoroastrischen Glaubens, 2) Vispered, Anrufungen und Li-taneien, 3) Aescht, ebenfalls Hymnen, oft von bedeutendem Um-fang, und 4) Vendidad, d. i. das Gesetzbuch, zu welchem auchCommentare in der Guzeratisprache existiren.*)

Zoroaster war der Reformator der Volksreligion im nord-östlichen Iran . Seine Geschichte ist in ein Dunkel gehüllt, welchesnoch nicht im Mindesten gelichtet ist. Er war an den Südost-abhängcn des Kaukasus geboren, doch war Bactrien der Schau-platz seiner reformatorischen Thätigkeit, bei welcher der KönigVistaspa ihn kräftig unterstützte. Die ältesten Quellen fassenZoroaster nicht als ein göttliches Wesen, sondern als einen hoch-begabten Menschen auf; doch schmückten spätere Geschlechter seinLeben mit einer Fülle von wunderbaren Legenden aus. Schon zurZeit Plato's, welcher ihn im Xloid. I, o. 37, S. 122 nSohn desOrmuzd" nennt so «ev ötä'ttNXLt rsiu ^ooollor^oo rvi- lSoo-

MÜw' eart roäro Aecür- Ae(>«7rLttt), war das Auftreten des Zo-roaster in mythenhafte Ferne gerückt; und während noch neuereForscher, wie Bunsen (Gott in der Geschichte" XI, S. 75 u. folg.)und Andere ihn um 2500 v. Chr. leben lassen, kann die nüchterneKritik nichts weiter bestimmen, als daß er vor Cyrus, also vordem fünften Jahrhundert v. Chr. gelebt haben muß.**)

Die Volksreligion der West-Arier im nordöstlichen Iran undim südlichen Persien war ursprünglich auch Naturdienst. DerGott des Himmels und der Erde hat sich ja zu allen Zeiten inder Natur wie im Gewissen der Menschen geoffenbart. Seineewige Kraft und Gottheit wird aber zuerst geahnt und wahr-

*) Hierzu vgl. man R. Roth:Ueber die heiligen Schriften der Arier".Jahrbuch für Deutsche Theologie 1857 II, S. 146 u. flg.

**) Plinius , der Versicherung des Aristoteles folgend, behauptet, daß er6W0 Jahre vor Plato gelebt habe. ol. Alger, S. 127 u. flg. Vgl. ferner Spiegel:Das Leben Zoroaster's" (München 1867) sowie die Beilage XX in LanghausDas Christenthum und seine Mission im Lichte der Weltgeschichte" (Zürich 1875), S. 537:Ueber Lebensalter und Namen des angeblichen Zoroaster".