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Elftes Capitel.
reich ausgestattete menschliche Wesen vorstellen konnte, so imputirter denselben nicht nur menschliche Gestalt (Anthropomorphismus)und menschliche Anschauungs- und Empfindungsweise (Anthropo-pathismus), sondern er läßt sie auch geboren werden und Ent-wicklungsstufen durchlaufen (in den Theogoniecn) und läßt sieMancherlei erleben und erfahren (Kämpfe, Heldenthaten, Leiden,Sterben, Wiedererstehen). Der Mythus beschreibt die Vorgängedes natürlichen und socialen Lebens unter der Form der Er-zählung einer einmaligen concreten Handlung (Kampf der Titanen,Raub der Proserpina, Sturz des Uranos durch Kronos , Ent-wendung des Himmelsfeuers durch Prometheus u. a. m.). Sonneund Mond, Erde und Himmel sind die allgemeinsten, augenfällig-sten Naturerscheinungen; daher Uranos und Gaia, Zeus undDemeter, Apollo und Selene (Helene), sowie Leto , die Göttinder dunkeln, verborgenen und verbergenden Erde, und Persephonc,die Göttin der aus dem Schooße der Muttererde keimenden undsprossenden Vegetation-wie des im Schooße derselben Erde be-grabenen Lebens zuerst verehrt wurden.
Im Laufe der Zeit prägt sich der Charakter jedes Gottesimmer bestimmter aus nach Analogie seines primitiven Typusund unter Mitwirkung des Verhältnisses, in welchem derselbe znandern göttlichen Personen steht. Immer häufiger und bestimmterwerden namentlich die Beziehungen, in welche die Gottheit zudem menschlichen Leben, zu dem Thun und Treiben der Menschentritt, und immer mehr weicht die blos physische Gestaltung undEinwirkung derselben in den Hintergrund, während sich ihreethische Vorstellung und Bedeutung heraushebt. Wie das phy-sische göttliche Wesen zu dem physischen Menschen, so tritt dieethische Gottheit in engere, nothwendige Beziehung zu der sitt-lichen, menschlichen Persönlichkeit. Zwischen den Göttern, als demObject des Glaubens, und dem Menschen, als dem Subject desGlaubens, knüpft sich das Band gegenseitigen Bezugs und Ver-kehrs immer enger. Das ist die Entwicklungsstufe, auf welcherdie griechischen und die von den Griechen entlehnten römischenGötter stehen, wie wir sie aus der Mythologie kennen gelernthaben. Derjenige Gott, welcher der mächtigste ist, weil die Er-scheinungen der Natur, die man auf ihn zurückführt, den Menschen