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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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Elftes Capitel.

sind nicht Produkte des Mythus , sondern der Speculation undAbstraktion, sind darum auch mythenlos oder mythenarm,werden zu den ältern vielleicht in genealogische Verbindung,aber doch in ein untergeordnetes Verhältniß gebracht undhaben gewöhnlich keinen Cultus. So ist die Götterwelt keinestreng abgeschlossene, stereotype; sie ist vielmehr mancherleiWandelung in Abgang und Zugang und Wechsel der Rollenunterworfen.

Aus der Aufeinanderfolge verschiedener Cultusepochen ent-standen im Laufe der Zeit die Sagen von Vernichtungskämpfeneinzelner Götter oder ganzer Göttergeschlechter gegeneinander, wiez. B. der alte Mythus von dem siegreichen Kampf gegen die Ur-göttcr, durch welchen die jüngere olympische Götterdynastie zurHerrschaft gelangte, eine symbolisch-mythische Erzählung, zuwelcher sich in vielen Religionen eine Analogie findet. EineDeutung und Systematisirung der Mythen, d. h. die Aufstellungeines Religionssystems der Griechen, obwohl bereits mehrfachversucht (von Vocativs, Lil. Gyraldus, Natalis Comno, Js. Vos-sius, Banino, Heyne, I. H. Voß), bleibt Ausgabe der Zukunft.* *!Uns ist es hier nun nicht um eine Uebersicht und Auslegungder griechischen Mythen überhaupt zu thun; wir haben mit den-selben uns an diesem Orte nur in so weit zu beschäftigen, alssich darin die eschatologischen Vorstellungen des hellenischen Volkesausgesprochen haben.

Was die alten Pelasger betrifft, diesen urgriechisch-ionischeuStamm, der früher als die andern Stämme dieses Volkes aus

und die Erhebung einer Fortuna, Virtus, Spes, Victoria, Pax, Pudicitiau. s. w. zum Range von Gottheiten sei specifisch römische Sitte oder dochbesonders die römische Religion charakterisirend. Eine derartige Personifikationblos abstracter Begriffe und sittlicher Zustände ist ein auch anderwärts vor-kommender Proceß der Verflüchtigung und derAnfang des Endes" desGlaubens an lebendige, persönliche Gottheiten.

*) An Materialsammlungen, in welchen die Mythen nach den Quellendargestellt und theoretisch erläutert sind, fehlt es nicht, obwohl von den Philo-logen der religiöse Kern und Sinn der Mythen oft nicht gebührend erkanntund gewürdigt wird. Zu vergl. die betreffenden Werke und Schriften vonLobeck, Creuzer, Voß, Dunker, Otfr. Müller, Buttmann, Stuhr , Heffter,Maury, Eckermann, Schwenk, Preller, Welcker, Braun, Petersen, Baur ,Schweigger, Stoll und manchen Andern.