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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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281
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Hades und Elysium oder das Jenseits nach der Anschauung der Griechen. 281'

341) lesen wir: ,,Zwar ist jeglicher Tod (E^re^ grau'n-

voll den elenden Menschen" (cketilot ist bei Homer das

stehende Beiwort der Sterblichen). Auch ist der Todein Ver-haßter sogar den unsterblichen Göttern" (Ho8. IdeoZ. 766),und ähnlich in der Jlias (3, 454 und 9, 159), wo die Bangig-keit und der Abscheu vor dem Hades und der der

schwarzen Todcsgöttin, sich unverhohlen äußern. Ebendaselbsti21, 65) wird der Held beklagt, daß er fallen muß: ,,Denn erwünschte so herzlich noch zu entflieh'n dem grausamen Tod unddem schwarzen Verhängniß." Und nicht nur Diejenigen hängenam Leben, welche sich an Wein und Liebe erfreuen; nicht nursie sagen mit Anakreon (k?r. 22):Nur gering noch ist die Zeit,die mir verblieb vom süßen Leben; drum so wein' und klag' ichoft, denk' ich mit Furcht des finstern Orkus. Denn erschrecklich istdas Haus Pluto's und gar unverwünscht der Eintritt." Nein,obgleichdie Seele hier zumeist die größten Mühsale und Kämpfezu bestehen hat (k?ln1. Udnoär. 247 U), so sind die Menschengleichwohllebsclige Sterbliche, die stets den kommenden Tagzu schauen begierig sind, und doch die Last der tausendfältigenLeiden tragen"! So tief ist Menschen eingepflanzt die Lebenslust.Das Leben kennt man; da das Sterben unbekannt, so scheidetNiemand ohne Furcht vom Sonnenlicht" (kilur. Ulioon. kr. 813).Nur lange, unerträgliche Schmerzen und Leiden können die ties-gewurzeltc Liebe zum Leben zerstören und pressen solche Seufzerab wie in der Antigone des Sophokles (461):Und ruft derTod mich vor der Zeit ab, acht' ich dies nur als Gewinn," kill.1770:Denn nur die Todten, seh' ich, rührt kein Kummer mehr"und im Philoktet in Troja (lr. 631):Doch ist der Tod derletzte Arzt der Leidensqual."

Daß ein Wurm im Innern auch des griechischen Lebens»agt, und daß auch das Jugendalter dieses Volkes nicht frei istvon der trüben und gepreßten Stimmung, in welcher das Daseinals Last und Qual empfunden wird, das entnehmen wir jenentraurigen, in mannigfachen Variationen wiederkehrenden WortenHomer's (II. 17, 446 sqlp., über welche sich auch Plato imelms p. 367 ck verbreitet hat):Denn von Allein, was athmet undkriecht aus der Erde, ist so Unglückliches nichts als ein Menschen-