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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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Elftes Capitel.

religion hinzu, sondern es stellen sich auch bekämpfende Richtungendem Gemeinglanben gegenüber und suchen den alten überliefertenGlauben aufzulösen. Das unbedingte Recht der Subjectioitätmacht sich auf dem Gebiete des Glaubens wie der Sitte geltend,so daß dieselben aufhören, höhere, dem Belieben und Gutdünkendes Einzelnen entnommene Mächte zu sein. Auch die Unter-welt wird nicht verschont, und wenn auch die aufkommendenLehren und Speculationen nicht im Stande waren, die populärenVorstellungen vom Jenseits oder den vollkommnen Glauben aneine Fortdauer der Seele zu beseitigen, so wird doch in vielenPunkten die Lehre von der Unterwelt modificirt.

Während bei Homer das Mm/ov nur ein wesenloses Scheinbilddes Leibes ist, während bei ihm die ohne die <p(>Äes kein Lebenund Wirken hat, erhebt sich allmählig die Seele von einem blosanimalischen Priücip zu einem für sich selbst bestehenden, geistigenIch. In der Jdeenlehrc Plato's, der an den Menschen dieForderung stellte, daß er seine Sinne verleugne und eine Weltnicht von leeren logischen Begriffen, sondern von realen, ,,ur-ständigen Wesenheiten" (wie Nägelsbach sich ausdrückt Nach-homer. Theolog. S. 475) anerkenne, welche nur das Auge desGeistes schaut, der aber gleichwohl mehr wirkliches Sein zukommtals der zwischen stetem Entstehen und Vergehen schwankendenSinnenwelt in dieser Lehre erreicht die Specnlation, die jafreilich nie Religion ist, noch überhaupt werden kann (weil sieweder das Zeugniß des Gewissens noch objective Thatsachen ab-solut für sich hat), ihre Culmination. Höher hat sich die Psycho-logie und Eschatologie bei den Griechen nicht versteigen können.

Ein entschiedener Bruch der philosophischen Reflexion mitdem Volksglauben liegt zuerst urkundlich in den Fragmenten desTenophanes vor, des sogenannten Gründers der eleatischenSchule, der eine genauere Zeitbestimmung ist nicht möglichvom sechsten bis in's fünfte Jahrhundert hinein lebte. Er be-kämpft zunächst die unwürdigen und unsittlichen Göttcrgeschichten,welche alle religiöse Scheu untergraben mußten.

Jegliches dichten Hesiodos an und Homeros den Göttern,

Was da zur Schmach und zum Tadel gereicht dem sterblichen Menschen:

Diebstahl üben und Ehebruch sie und betrügen einander,"