Hades und Elysium oder das Jenseits nach der Anschauung der Griechen. 295
so klagt er in der durch Sextus Empirikus (aäv. inatll. IX, 19)auf uns gekommenen Stelle. Auch griff er die Vorstellung voneiner zeitlichen Geburt der Götter und die rohen anthropomor-phischen und anthropopathischen Darstellungen derselben an;man vergleiche hierzu die in meinem UmZos Lxorinntioos zuApostelgeschichte 17 , 29 angeführten Stellen, sowie Nägelsbacha. a. O. S. 429 und Ritter, Geschichte der Philosophie I , 473.
Pindar folgte dem Tenophanes in der Bekämpfung desVolksglaubens. Von ihm haben wir auch zahlreiche Stellen,in welchen er seine eschatalogischen Ansichten ausspricht. Demgroßen thebischen Lyriker konnten die unbestimmten Vorstellungenvon jener unsichtbaren Welt, wie sie der Volksglaube hatte, nichtBefriedigung und Beruhigung gewähren, wie sie der MenschAngesichts des Todes sucht. Darum sind bei ihm die Inseln derSeligen nicht mehr ein Aufenthalt blos für wenige, bevorzugteLieblinge der Götter, sondern ein Ort, wo die Tugend belohntwird. Und so hängt die Bestrafung der Gottlosen für ihn nichtvon wechselnden Launen und zufälligen Neigungen ab, sondernvon unwandelbarer, über jegliche Willkür erhabener Gerechtigkeit.Von der großen Masse der Schatten, die im Hades ein trauriges,gespensterhaftes Dasein führen, redet er fast gar nicht; er schildertden Hades und seine Bewohner markirter und so zu sagenhoffnungsvoller. Die Unbestimmtheit und Ungewißheit über dasLoos der Abgeschiedenen, wie wir sie in der homerischen An-schauung finden, weicht einer localen Scheidung der Unterweltund einer dadurch bedingten oder doch damit zusammenhängendenTrennung der Geschicke der Todten. Tartarus, als Aufenthaltder Gottlosen,'und Elysium als Bestimmungsort für die Frommenwerden nun ausdrücklich im Hades unterschieden. Das sternen-besäete Firmament gilt ihm als eine feste Wölbung, über welchereine Welt von Lichtglanz, Seligkeit und Unsterblichkeit sich aus-breitet, die Wohnung der Götter, zu welcher Sterbliche freilichkeinen Zugang haben. Alles Sehnen und Streben der Menschen-kinder, dorthin zu kommen, ist vergeblich und sündlich. Belle-rophon, welcher sich auf dem Pegasus zum Wohnsitz der Götteraufschwingen wollte, mußte für diesen Frevel schrecklich büßen;das Flügelroß, von Zeus wüthend gemacht, warf ihn ab, und er