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Elftes Capitel.
dem Orient nach Griechenland eingeführte Lehre von der Rückkehrder Seelen abgeschiedener Menschen in neue Leiber, um darineine neue Periode irdischer Existenz zu durchleben. Auch das96. Fragment, mit den vorigen Aussprüchen zusammengehalten,ist von Wichtigkeit für die Pindar 'sche Eschatologie. „Durch einwohlthätiges Geschick reisen Alle zu einem Ende, das sie vonBeschwerden befreit. Der Leib ist zwar der Gewalt des Todesunterworfen; aber das ewige Bild ist am Leben geblieben, unddieses allein vereinigt sich mit den Göttern. Wenn wir schlafen,so zeigt es uns in manchen Träumen das bevorstehende Gericht,sei es Glück oder Kummer."
Gehen wir nun dazu über, ein Zeugenverhör über die es-chatologischen Meinungen einiger, für unsre Materie besonderswichtiger Philosophen anzustellen. Jede Darstellung der griechischenVorstellungen von einem andern Leben, welche nicht eingehendeRücksicht auf Plato nähme, würde unvollständig sein und einewesentliche Lücke haben. Der Einfluß dieses großen Philosophenauf seine Zeitgenossen war wohl kein sehr weitreichender nochtiefgehender; aber es dauerte nicht lange, und er gewann kos-mopolitische Bedeutung und überflügelte mit seinem Einfluß allemit ihm rivalisirenden Schulen. Seine Ideen überdauerten dieJahrhunderte und wurden von den hervorragendsten Geisternder folgenden Zeitalter gewürdigt und verbreitet; zahlreichechristliche Theologen verschmolzen ihre Speculation mit platonischenLehren und fast fünfzig Menschenalter hindurch übte der Geistdieses Mannes eine unbestrittene Herrschaft über die Gemüthervon Millionen. Seine Ansichten über das Jenseits finden sichin den zahlreichen Dialogen, welche uns unter seinem Namenerhalten sind, niedergelegt. Wir begegnen darin vielen Wande-lungen und Jnconsequenzen, vielen mythologischen Anführungenund Einkleidungen, die theils symbolisch gedeutet, theils sogar nurals dichterische Ausschmückung angesehen werden können. Außer-dem erheben die in den Dialogen als redend eingeführten Per-sonen eine Menge von Einreden und sprechen Meinungen aus,welche nicht immer die eignen Bedenken und Zweifel Plato's,sondern viel häufiger die gegnerischer Philosophen und andrerSchulen waren. Dazu kommen die kritischen Argumente gegen