Buch 
Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
Entstehung
Seite
299
JPEG-Download
 

Hades und Elysium oder das Jenseits nach der Anschauung der Griechen. 299

die Uuthentie mancher als platonischen Ursprungs angenommenerSchriften und andre Schwierigkeiten, welche sich einer befriedigendenLösung der Aufgabe, die eigentlichen Meinungen und LehrenPlato's über Wesen und Schicksal der Seele zu eruiren, entgegen-stellen. *)

Plato hatte den festen philosophischen wie religiösen Glaubenan die Unsterblichkeit der Seele, und machte dieselbe häufig undgern zum Gegenstand seiner Betrachtungen. Dieser Glaube wirdsowohl durch die Ueberlieferung (Uüuock. 15 7r«/l«to§ msriüU rrs -.ö/oL x. r. auf welche er sich immer mit einer ge-wissen Ehrfurcht bezieht, als auch durch metaphysisches Raisonnc-ment begründet. Er spricht immer mit tiefem oft feierlichemErnst über die Unsterblichkeit (o LMt-r« Ubaoä. 40) und be-nutzt sie überall als praktisches Motiv. Er läßt den Socratesim Phädo sagen:Ich denke nicht, daß irgend Jemand, undwäre er selbst ein Comödienschreibcr, wenn er uns reden hörte,sagen wird, wir phantasirten über müßige Dinge." Und aneiner andern Stelle (6-orA. 63 und 80 8cs<p.) bezieht er sich aufdie homerischen Beschreibungen von der Unterwelt und sagtdarüber:Ich, o Kallikles , für meine Person glaube an diese Er-zählungen und überlege mir, wie ich meine Seele in die besteVerfassung bringe, um vor den Richtern zu erscheinen." Auchin den Büchern äo Uox. (X., 608 D 611 o) wie cko U-ogA.lX., 904 L. sc^cp.) und anderwärts nimmt Plato wiederholtVeranlassung, die Unsterblichkeit der Seele zu besprechen. AmEingehendsten behandelt er aber diesen Stoff in dem Phädon,worin er den Socrates kurz vor dessen Tode über die Fortdauerder Seele redend einführt. Mit großer Kunst hat Plato dieseUntersuchung gerade an die Geschichte von des Socrates Todangeknüpft und ihm, der im Begriff ist zu sterben, die Ueber-zeugung von der Unsterblichkeit in den Mund gelegt. Ebensoläßt er auch im Phädrus den Socrates vom Wesen und der

*) Ueber die Unsterblichkeitslehre Plato's sind zahllose Bücher und Ab-handlungen geschrieben worden; siehe bei Abbot a. a. O. die Nummern1565itzig und andere. Namentlich haben sich an den Phädo die Unter-suchungen über Fragen betreffs der Unsterblichkeit angeschlossen. Wir erinnernhier nur an die 1767 erschienene berühmte Schrift des edlen Moses Mendelsohn.