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Elftes Capitel.
Unsterblichkeit der Seele handeln. Hier im Phädrus (246, s.nnd folg.) vergleicht er bekanntlich die Seele mit einem geflügeltenZweigespann und seinem Lenker. Der Lenker ist der vernünftigeTheil, das Denken (ö ro das Eine Roß, ein
schönes und williges, ist der oder rä das Andere,
dem guten entgegenstrebende, schlechte Roß sind die Begierdennnd Leidenschaften in uns (rü Wie freilich bei
dieser Dreizahl eine Einheit des Selbstbewußtseins bestehen könne,über diese Frage hat sich Plato nicht des Näheren ausgesprochen.Ehe die Seelen den Schauplatz irdischen Daseins betreten haben,fahren sie im Gefolge der Unsterblichen und suchen ihnen gleich,die Welt der Seligen zu erreichen. Zeus führt den Zug an,auf seinem geflügelten Wagen fahrend. Die Fahrzeuge derGötter fahren gleichschwebend und mit der größten Leichtigkeit,die der Menschenkinder folgen nur mit Mühe, denn das schlechteRoß strebt zur Erde. Da hat die Seele Mühe und einenschweren Kampf zu bestehen. Sind die unsterblichen Seelen aufden Rücken des Himmels gekommen, so bleiben sie daselbst undschauen dort alles an sich Vollkommene. Jenen Ort über derHimmelswölbung kann Niemand würdig beschreiben. Dort siehtalso die Seele, was ist und lebt in der Betrachtung des Wahren.Sie schaut die Gerechtigkeit, die Mäßigkeit und die Wissenschaftnicht von dem, was wir jetzt Sein nennen, sondern was in Wahr-heit an und für sich selbst ist.
Den Göttern ist allezeit das zu genießen verstattet. DerZustand der andern Seelen, welche die Götter begleitet haben,ist aber verschieden. Diejenigen, welche den Göttern am Bestengefolgt sind, schauen auf die Wahrheit, aber wegen der Wild-heit des schlechten Rosses nicht mit jener Ruhe der Götter.Andre aber erheben nur bisweilen das Haupt und schauendie Wahrheit nur theilweise und von ferne. Viele gerathen inSchwanken und Tumult, werden auf dem Wege beschädigt,gelangen nicht zum Schauen der Wahrheit, nähren sich von,Futter der Meinung und fällen auf die Erde. Aber in allenSeelen, die einmal Etwas von der lichten und schönen Wahr-heit gesehen haben, lebt eine Sehnsucht nach jenem Orte, wosie wohnt. Die aber zur Erde herabgefallen sind und die