Hades und Elysium oder das Jenseits nach der Anschauung der Griechen. 305
So leitet er (107 o) dort einen Beweis für die Unsterblichkeitauch daraus ab, daß der Tod für die Schlechten ein Gewinnsein müsse, wenn der Tod nicht blos eine Trennung vom Leibe,sondern wenn er Vernichtung der Seele wäre. Wenn manüberhaupt, wie es Pluto wiederholt thut, von einer Vergeltungnach dem Tode spricht, so kann eine solche ja nur bei persön-licher Fortdauer gedacht werden. Freilich äußert er sich über dieZustände nach dem Tode in mythischer Form, weil er recht Wohlwußte, daß sich darüber nicht begrifflich, sondern nur bildlichreden läßt; doch kann kein Zweifel erhoben werden, daß er eineVergeltung annimmt. Wie schön sagt er (Uüaaä. 114 e), daßman Alles anwenden müsse, um in diesem Leben der Tugendund Einsicht theilhaftig zu werden, weil der Preis ein edler unddie Hoffnung eine große sei. So spricht er auch (a. a. O. 107 ä)„Die Seele kommt mit nichts Anderm in den Hades als mit dem,was sie sich durch Erziehung und Bildung erworben hat, unddas ist dem Gestorbenen sogleich im Anfang seiner Reise von sehrgroßem Nutzen." Er unterscheidet nun (115 ä und folg.) vier-erlei Schicksale nach dem Tode. Leute von gewöhnlicher Recht-schaffenheit kommen in den Acheron, werden dort von dem ihnenanhaftenden Bösen geläutert und erhalten dann für ihre gutenThaten den verdienten Lohn. Diejenigen, welche wegen derGröße ihrer Sünden unheilbar zu sein scheinen, stürzt das sietreffende Loos in den Tartarus, aus welchem sie nie heraus-kommen. Solche, welche zwar auch große, aber doch heilbareSünden begangen und über dieselben Reue empfunden haben,müssen zwar ebenfalls in den Tartarus geworfen werden; aberwenn sie ein Jahr darin gewesen sind, wirft sie eine Wogeheraus und zwar die gewöhnlichen Mörder in den Cocytus, dieVater- und Muttermörder in den Pyriphlegethon. Nachdem sieaber an den Achernsischcn See gekommen sind, schreien und rufensie Diejenigen an, welche von ihnen entweder getödtet oder miß-handelt worden sind, und bitten und flehen, sie in den See steigenW lassen und aufzunehmen. Wenn ihre Bitten erhört werden, so
kührt, was in kindlicher Einfalt die Ahnen der indo-germanischen Völker-familie geglaubt und bekannt haben." Curtius a. a. O. S. 104.
Svietz, Edm. , Entrvicklungsgesch. d. Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode. 20