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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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Elftes Capitel.

steigen sie in den See und werden von ihren Leiden befreit; imentgegengesetzten Fall aber werden sie wieder in den Tartarus ge-bracht und von dort wieder in die beiden Flüsse, und hören nichteher auf dieses zu leiden, bis sie Die erweicht und zur Fürsprachevermocht haben, an welchen sie sich versündigt hatten. Die abervorzüglich fromm und heilig gelebt haben, diese sind von denirdischen Orten wie aus Gefängnissen befreit und kommen in jenereinen ätherischen Wohnungen, welche Plato (110 d) so poetischbeschreibt. Von ihnen leben wiederum Diejenigen, welche sichdurch Philosophie hinreichend gereinigt haben, für die folgendeZeit gänzlich ohne Körper und kommen in noch schönere Woh-nungen, die er aber nicht zu beschreiben wagt (114 o).

Es läßt sich nicht verkennen, daß Plato durch seine Jdeen-lehre und ihre Verbindung mit der Seelenlehre im Vergleich zuden Vorstellungen des Volksglaubens einen großen Fortschrittgemacht hat. Durch die Erhebung der Seele in das Reich derIdeen und ihre Unabhängigkeitserklärung von allem Körperlichenhat er ihr selbständiges Fortbestehen nach dem Tode in hohemGrade einleuchtend und wahrscheinlich gemacht. Auch mußteseine Lehre von dem heilsamsten Einflüsse auf dem moralischenGebiete sein, da sie eine stets wachsende Ausbildung des Geistesdem Menschen zur Pflicht macht und von der geringeren odergrößeren Vollkommenheit und Würdigkeit der Seele die Gradeder Unsterblichkeit und Seligkeit resp. die Zustände nach demTode abhängig macht. Daß Plato die Fortdauer nach demTode als eine persönliche dachte, ist an vielen Stellen von ihmangedeutet; doch hat er, wie gesagt, diesen Theil seiner Lehrenicht durchgehends vollständig entwickelt und nicht überall voninneren Widersprüchen und Inkonsequenzen freigehalten.

Ohne uns hier auf andre Stellen in den PlatonischenSchriften, welche sich mit unsrer Frage beschäftigen, weiter ein-zulassen, wollen wir dieselben nur nach ihrem Fundort anführen,um dem Leser, welchen ein specielles Interesse dazu treibt, esmöglich und leicht zu machen, dieselben aufzuschlagen und zuvergleichen. Es gehören aber hierhin etwa folgende: Lp- ?(335 b), Uop. X. 12 sgg. X^ol. 32. 33. 40. 6ior§. 82, 526 b, e.

X, 850 o, 904 o, Min. 8990 a, Xxioolr. P- 365 6,