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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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559
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Rückblick und Endergebniß der Untersuchung. 559

nach der Seite des vergangenen früheren Zustandes einen Schlafoder Tod voraus (vgl. auch hierzu I. P. Lange, PositiveDogmatik, S. 1258 und vorher). Endlich aber muß das Wanderndurch verschiedenartige Zustände, welche bereits ein vorläufigesGericht darstellen und zugleich die Möglichkeit, einer reineren,vollkommneren Existenz entgegenzustreben, bieten sollen, zu einemdurch die Metamorphosen vorbereiteten Ende kommen und dieZeit des Status intsrinsäius aufhören.*)

In die Kategorie der Versuche, über den ZwischenzustandAuskunft zu geben und auf denselben eine Einwirkung zu ge-winnen, gehört auch die katholische Lehre von dem Fegefeuer(iZnis xurZatorius). Mit Berufung auf 2 Macc. 12, 43 slg.,

1 Cor. 3, 15 und andre Stellen nahm die Kirche an, eskönnten die läßlichen Sünden der Gläubigen, für welche sie ausErden nicht gebüßt, in den Qualen des unterirdischen Feuersgetilgt werden. Diese von Gregor dem Großen auf die Autoritätdes heiligen Augustin hin, im 6. Jahrhundert eingeführte, vondem Concil zu Florenz 1439 als Dogma anerkannte, auf dem Tri-dentinum (8sssio XXV, Osorst. äs xurZat.) bestätigte, im Oatssll.Horn. I, 7, 3, xnZ. 406 erklärte und vertheidigte Lehre wurdeiu der evangelischen Kirche als Beeinträchtigung der alleinigenVersöhnung durch den Glauben verworfen. Doch muß eine un-befangene Prüfung zugestehen, daß die Vorstellung eines reinigendenFeuers, welche ja auch bei Zoroaster, Plato, bei den Stoikernund den Alexandrinern vorkommt, allerdings gerade so gut unterBerufung auf die Bibel begründet werden kann, wie mancheandre, welche den Kern eines später statuirten oder proclamirtenDogmas bilden, und daß in den Strafen, die etwa in einemZwischenzustande verhängt und erduldet werden, eine Beschrän-kung des Verdienstes Christi ebenso wenig gefunden werden muß,als in der Verbüßung von Strafen für unsre Sünden, welchewir bereits während der Zeit unsres irdischen Lebens trotz desOpfers Christi erleiden müssen.

Die Meisten aber, welche einen Zwischenzustand anzunehmen

*) H. Jentzsch schrieb:Os adsnrcko äoAmats." lckxs.-

1685; M. C. Tieroff:I)s mstsmxs^ebosi ckackasorum." Jena 1651; I. E.Schubert:Von der Seelenreinigung nach dem Tode." Jena 1745.