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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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Achtzehntes Capitel.

für nöthig halten, denken sich einen Aufenthalt und eine Existenz-weise, welche sich nur als ein Harren und Warten in einem nochnicht abgeschlossenen und nicht vollendeten Zustande darstellen,ohne daß eine nähere Beschreibung und Ausmalung, wie dieSeelen thätig oder leidend sind, von welcher Art ihr Bewußtseinund ihre Verfassung sein mögen, und wie das Verhältniß desstatuZ intki'iusäius einerseits zu dem vorhergegangenen, anderseitszu dem darauffolgenden zu bestimmen ist, unternommen würde.

Alle Schwierigkeiten, welche sich aus der Annahme einesinterimistischen Verweileus der Seelen in einem solchen Mittel-zustande ergeben und erheben, fallen aber weg, sobald man sich,dem religiösen Gefühle folgend, für die Annahme eines unmittel-baren Ueberganges aus dem Diesseits in das Jenseits entscheidet.Ein neues Problem begegnet uns aber alsbald, wenn wir unsnun den Modus der Existenz der Seele in der andern Weltvorzustellen versuchen. Scheiden wir alle Fragen aus, welchebloße Neugier und verstandesmäßiges Grübeln auswerfen, oderwelche zwar von frommen suchenden Gemüthern hin- und her-erwogen worden sind, die aber einen eigentlich religiösen Kernnicht haben, wie etwa die Lehre von der d. i.

von der Wiederbringung aller Dinge, die Erwartungen von einemtausendjährigen Reich (Chiliasmus), von der sichtbaren Wieder-kunft Christi (Parusie), der Zerstörung der Erde durch einenWeltbrand" und ihrer Erneuerung, und was etwa sonst nochzu denletzten Dingen" gezählt werden mag, so bleibt nochEine Frage, welche ein großes allgemeines Interesse in Anspruchnimmt, und über welche wir ein Licht aus der Vergleichung derReligionsgeschichte hoffen dürfen, das ist die Frage nach derAuferstehung des Fleisches ".

Die Hoffnung einer solchen Auferstehung von den Todten,mit andern Worten eines vollkommneren Lebenszustandes inerneuerter und verherrlichter Leiblichkeit ist der vorchristlichenZeit keineswegs fremd, wie I. G. Müller (Theol. Studd.und Kritt. 1835, 2) behauptet hat. Ob sie, wie derselbe Ge-lehrte meint, aus dem Parsismus stamme, lassen wir dahin-gestellt, weil sich der Ursprung der Vorstellungen schwerlich alsein einmaliger und localer wird nachweisen lassen. Zu unsrer