Rückblick und Endergebnis der Untersuchung.
561
Beschaffenheit als der von geistig-leiblichen Wesen gehört es, wiewir bereits wiederholt gehört haben, als Schranke des Erkennensmit, daß wir uns rein Geistiges nicht losgelöst von denModis des endlichen Seins vorstellen können. Daher denn auchdie Seelen der Abgeschiedenen nirgends als ganz körperloseSchatten erscheinen, sondern überall, auch wo es nicht ausdrücklichbemerkt wird, in einer Art ätherischer Umkleidung, nicht alleinmit den Umrissen einer Leiblichkeit sondern auch mit ge-wissen körperlichen Eigenschaften und Functionen ausgestattet.„Ein Geist hat nicht Fleisch und Bein," sagt der auferstandeneHerr zu den Jüngern (Luc. 24, 39); ein Geist kann auchnicht essen und trinken, und an einem Geiste kann mankeine Narben noch Wundmale wahrnehmen (Joh. 20, 20—27).Wie nun der vom Tode erstandene Jesus mit einem Leibe er-scheint, welcher an die irdischen Gesetze nicht mehr gebunden ist,der bei verschlossenen Thüren in das Gemach tritt (Joh. 20, 19.Luc. 24, 36. Marc. 16, 14 flg), der der Speise zwar nicht Mehr-bedarf, aber dieselbe doch genießen kann (Joh. 21, 5 flg.), derauch in verschiedenen Gestalten sich zeigt (Marc. 16, 12), sostellte man sich auch die vom Tod eerweckten Seelen vor, angethanmit einem Seelenleibe, der das Organ der Wirksamkeit der Seelein dem neuen Daseinszustande bilden sollte.
In den ersten Zeiten der christlichen Kirche war die Auf--erstehung ein Lieblingsthema im Streite gegen Neuplatoniker undGnostiker; man berief sich dabei vorzugsweise auf 1 Cor. 15, 50und nahm, so lange man ein tausendjähriges Reich erwartete,eine doppelte Auferstehung an. *) Da die erste Auferstehung nachApoc. 20, 5 ihrem Zwecke nach irdisch war, so dachte man aller-dings den Leib, in welchem dieselbe stattfinden sollte, auch wieder
*) Irsa. V, 36, 3: „viliZsatsr 1olmnns8 prasvickit primam suotorumrsourrsotionsm st in rsZno tsrras tmsrsckitatsm." Auch DsrtuII. aäv.Nars. III, 23 zu vgl- Die hierher gehörige puristische Literatur, sowieweitere Belegstellen sind bei Hase: „Dogmatik" (4. Ausl.), o. III, Z. 97,S. 98 und flg. zu finden.
Die Lehre von einer ersten, directen Auferstehung ist in allerlei Varia-tionen zu verschiedenen Zeiten bis auf die neueste herab von einzelnen Serienund Schwärmern aufgewärmt worden; vgl. oben S. 63.
S,,ief!, Edm., Entwi-klmigzgeich.d. Borst-llunr,e» vom Zuftandc nach demTode. 36