Buch 
Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
Entstehung
Seite
564
JPEG-Download
 

564

Achtzehntes Capitel.

Höchst wichtig als Erkenntnißquelle der verschiedenen Hypo-thesen und Lehrmeinungen der ersten Jahrhunderte ist Tertullian'sSchrift äs rasnri'setüona onrnis. Auch im Apolegetikus hat ersich über unsre Frage in bezeichnender Weise folgendermaßen aus-gelassen:Nriinns ickonr Hui uuno, noo ulii xo8t, Doi qaiäsmmiltoros uxuä Dsuin sswper, snxorinäntä snllstantia, xroxrianatornitntis; xrokuui voro et czui non iutoZri all Oouiu inpoang. noc^ns suZm IZnis, Iradantss ex i^sa natmrg, ssns ciivinnnr8oilioot 8ndraini8trÄtion6in inoorruxtil>i1itg.ti8." Im klebrigenverweisen wir auf Abschnitt VII:Die Auferstehung und Voll-endung" in Delitzsch Biblischer Psychologie". Dieser Seelenleibist aber aus Imponderabilien, aus ätherischen Substanzen (wenndieses Wort nicht noch zu materiell ist) construirt und unzer-störbar, wie der Geist, der darinnen wohnt, und welcher sichdiesen Leib erbaut hat. Ueber die Vorstellungen und Lehrenvon der Auferstehung resp. Neubildung eines Leibes als Wohnungund Werkzeug der im Tode von dem Körper geschiedenen, aberfortdauernden Seele ist in den Theo! Studd. und Kritt. der Jahr-gänge 183539 eine Discussion von Männern wie T. G. Müller,Lange, Kling und Anderen geführt worden, durch welche die Be-handlung des schwierigen Gegenstandes auch in andern Zeit-schriften angeregt wurde und in Fluß kam; vgl. darüber dieMonatsschrift von Nitzsch und Sack 1846, 8. 9. S. 139 u. slg.

Da wir Menschen, so lange wir sinnlicher Natur sind, unsüberhaupt keine reine Geistigkeit vorstellen können, sondern ausdem Wege fortschreitender Abstraktion und der Sublimirung derSubstanz uns der körperlosen Idee nur zu nähern im Standesind, so ist es uns zur Zeit auch schlechthin unmöglich, uns eineunleidliche, nur geistigeZuständlichkeit der Seele deutlich zumachen.Für uns cxistirt erfahrungsgemäß kein Stoff ohne Kraft, keinLeib ohne Geist, aber auch umgekehrt keine Kraft ohne Stoff undkein Geist ohne Leib, wenngleich wir durch diese Erfahrungdurchaus nicht zum Monismus geführt werden. Deshalb hat esfür den denkenden Menschen auch gar nichts Befremdendes, daßdie nach dem Tode des Erdenleibes fortdauernde Seele mit einemneuen Organ ausgestattet vorgestellt wird, und die - Auffassungs-weise dieses unsrer Cognition freilich entzogenen Vorganges, wie