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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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Achtzehntes Capitel.

Verstorbenen seine gewohnten Geräthe und Waffen in das Graboder auf den Scheiterhaufen zu legen, welchem wir beispielshalberbei den Nadowessiern (siehe oben im a. A. S. 164), bei den Es-kimos (Andreä a. a. O. S. 226), bei vielen andern amerika-nischen Völkern, über die wir in den Reisebeschreibungen desPrinzen Max von Wied (Coblenz 1838) und des Herzogs Bern-hard von Weimar (Weimar 1828) weitläufige Mittheilungen haben,begegnet sind; die ebenfalls viel verbreitete Gewohnheit, zum Bestender in das Jenseits Gegangenen Pferde und Sclaven zu schlachten,damit es ihnen drüben an keinem Bedürfniß mangele, wie dasErstere z. B. die alten Germanen, Letzteres besonders die afri-kanischen Negervölker zu thun pflegten (siehe oben die betr. Ab-schnitte über die einzelnen Religionen), oder die Sitte, auf demGrabhügel verstorbener Kinder das Spielzeug derselben nieder-zulegen, die wir S. 164 erwähnt haben-das Alles und

andre Gründe mehr thun zur Genüge dar, daß man sich dasWeiterexistiren der Seelen doch in irgend einer mehr oder wenigerkörperlichen Weise vorstellte.*)

Gerade so war es aber auch bei den Griechen und Römern.Wo wir in den Hades oder Orkus geführt werden, besondersim elften Buche der Odyssee und im sechsten der Aeneide (worinWarburton, IVorüs II, 78169 nur die bildliche Beschreibungeiner Initiation für die Eleusinien fand), da treffen wir Schattender Abgeschiedenen an, welche keineswegs bloße Seelen und durch-aus nicht aller Leiblichkeit bar sind. Alle animalische und psy-chische Thätigkeit scheint nur auf einen sehr niedrigen Temperatur-

*) So sonderbar und verwunderlich uns auf den ersten Anschein garmanche Gedanken und Gebräuche/vorgekommen sein mögen, welche wir imLaufe unsrer Untersuchung angetroffen haben, wir haben sie nirgends fürvöllig absurd gehalten und haben uns nie versucht gefühlt, darüber zu spotten.Wir haben uns stets an das große und edle Wort Spinoza's, an dessen zwei-hundertjährigem Todestage wir diese Bemerkung niederschreiben, erinnert:Man soll die Meinungen der Menschen nicht belachen, nicht beweinen, nichtvergöttern, nicht verfluchen, sondern sie zu verstehen suchen." Bei dem Be-mühen, die Zusammenhänge der Erscheinungen, sei es auf physikalischem, seies aus psychischem Gebiete, aufzuspüren, erscheint das Detail ohnehin niemehr als ein Zufälliges und Unwichtiges, sondern es gewinnt Licht undBedeutung als Ausfluß und Kennzeichen eines im Kleinsten so gut wie imGrößten waltenden und sich offenbarenden Gesetzes.