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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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Rückblick und Endergebniß der Untersuchung.

ausgesetzt. Bezüglich der jüdischen Meinungen kann man zwarim Unklaren und Zweifel sein, so weit es sich um die mosaischeund vielleicht noch um die prophetische Zeit handelt. Eignet mansich aber die Argumentation Mt. 22 , 32 an, daß der GottAbraham's, Jsaak's und Jakob's nicht ein Gott der Todten, sondernder Lebendigen ist, und hält man damit die Volksvorstellungenvom Jenseits zusammen, auf welche Luc. 16, 19 flg. der Herr,als ganz bekannte, einfach recurrirt, so ergibt sich uns, daßman die Abgeschiedenen auch in jener Welt mit einer Leiblichkeitbekleidet dachte, welcher Gestalt, Empfindung, Bewegungsfähigkeitu. s. w. beigelegt wird, und vermöge welcher sie einen Vorschmackdavon haben können, wie sich ihre Zukunft nach dem Gericht ge-staltet. Also auch über diesen Punkt läßt sich bei aller Mannich -faltigkeit, ja Verschiedenheit doch eine Uebereinstimmung in denwesentlichen Stücken der Vorstellung auf dem Wege der Ver-gleichung constatiren.

Wir können demnach als Ergebniß unserer angestelltenUntersuchung etwa Folgendes aufführen: Der Gang durch dieNeligionsgeschichte, bei welchem sich unsre Aufmerksamkeit haupt-sächlich auf die eschatologischen Vorstellungen der verschiedenstenVölker richtete, lieferte den Beweis, daß zu allen Zeiten und beiallen Völkern schon der Tod nicht als ein bloßes Naturereignißangesehen worden ist, der lediglich die irdischen Beziehungenlöst und unserm Ich ein für alle Male ein Ende macht, sondernals Durchgang und Weg zu einem andern Sein. Die Solidaritätvon irdischem Tod und Sünde findet sich dagegen nur in einzelnenorientalischen Religionen und speciell innerhalb der biblischenAnschauung.

Weiter ergibt die Vergleichung, daß zu allen Zeiten undan allen Orten die Frage eine Lebensfrage nicht etwa theo-retischer Forschung, sondern von praktischer Bedeutung undWichtigkeit gewesen ist:Was wird aus uns nach dem Tode?!"Ueberall hat man eingesehen, daß eine doppelte Antwort auf dieseFrage möglich ist, nämlich entweder die:Der Mensch wird imTode seiner Totalität nach vernichtet, und außer dem Leichnambleibt Nichts von ihm übrig; zugleich mit den animalischenFunctionen erlöschen auch die sog. psychischen," oder die andre: