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Entwicklungsgeschichte der Vorstellungen vom Zustande nach dem Tode auf Grund vergleichender Religionsforschung / dargestellt von Edmund Spiess
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Rückblick und Endergebniß der Untersuchung.

Vergeltung, während das Aufgehen der Einzelseele in die Allseele,das Ausschütten des ganzen Bewußtseinsinhaltes des Individuumsin das unendliche Bewußtsein, wie es auf der einen Seite denMenschen nicht zu befriedigen und zu beglücken vermag, ihn andrer-seits auch nicht persönliche Verantwortlichkeit tragen und verdienteStrafe erleiden lassen kann. Ein solches Aufgehen in das All istpraktisch und factisch von gleichem Werthe wie ein Aufgehen in dasNichts. Darum finden wir denn auch in der ganzen Religionsge-schichte durchgehends mit dem Glauben an eine Vergeltung die Vor-aussetzung einer persönlichen Fortdauer der Seele verbunden.

Endlich aber zieht man auch aus der Natur und Bestimmungdes menschlichen Geistes den Schluß, daß er nach Beendigung diesesLebens für den neuen ihm bestimmten Wirkungskreis ein den ver-änderten Lebensbedingungen adäquates Organ, eine andre Leib-lichkcit anziehen wird, welchen Hergang wir eine Auferstehungvon den Todten zu nennen pflegen. Diese wenigen StückeFortdauer, Vergeltung, Auferstehung" sind die nothwendigenBestandtheile in den eschatologischen Vorstellungen, welche unsin der vergleichenden Religionsgeschichte begegnen. Sie sindselbstverständlich nicht überall gleichartig und gleichmäßig ent-wickelt, auch wo wir denselben Bezeichnungen begegnen, sind diesekeineswegs überall gleichwerthig; wir können und müssen viel-mehr sehr verschiedene Stufen und Stadien der Entwicklungunterscheiden. Etliche dieser Vorstellungen sind kaum über denKeim hinaus getrieben, etliche zeigen ein rascheres und reicheresWachsthum und bereits ein Auseinaudertreten der Stammvor-stellung in Neste und Zweige, etliche sind sogar der denkbar höchstenAusbildung und Vergeistigung nahe gekommen und finden durch dieOffenbarung nur ihre Bestätigung, ohne erheblicher Bereicherungund Vervollkommnung durch dieselbe theilhaftig geworden zu sein.

Alle Verzweigungen der ursprünglich Einen Vorstellungsreihe,alle Schattirungen der unzähligen Ansichten, welche in Bezugauf das Detail so vielfältig sind als die vorstellenden Individuen,lassen sich aber auf gemeinschaftliche Grundformen und Urtypenzurückführen und sich zu einer Einheit nach Inhalt und Ent-wicklung verknüpfen. Eine und dieselbe religiöse Anlage undOrganisation zeigt sich bei den Völkern aller Zeiten und aller