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Achtzehntes Capitel.
auf diese Ewigkeit, daher ein eigentlich religiöses Interesse fürsein Fortbestehen nicht besteht. Die Seele kann sich dagegenhienieden bereits im Besitze des ewigen Lebens suhlen; dasGefühl dieses Lebens in der Gemeinschaft mit Gott ist Seligkeit,das Gefühl des Mangels einer solchen Gemeinschaft, einer stören-den Disharmonie ist Verdammniß. Seliges oder unseliges Lebenmuß darum nicht erst durch äußere Zustände bewirkt werden,und wird nicht als etwas von außen Kommendes erst durch einenbesonderen Gerichtsact zuerkannt und verliehen; das ist eine ganzsinnliche Ansicht. Seligkeit und Verdammniß in unendlicher Scalaund allen möglichen Schattirungen werden innerlich erworben undbeginnen im Diesseits, um im Jenseits ihre Weiterentwicklung undVollendung zu finden, und die Gegenwart ist axr« rcüv(Col. 2, 17), auch in dieser Hinsicht ein Schatten Dessen, waszukünftig sein wird.
Daß das Christenthum Fortdauer und Unsterblichkeit, Ver-geltung und Auferstehung lehrt, kann eigentlich nur etwa ausdisputatorischer Streitlust in Zweifel gezogen werden; im Ernstewird Niemand behaupten, die Annahme eines jenseitigen Lebensnach dem irdischen Tode gehöre nicht nothwendig zum Christen-thum. Jrrthümlich ist oder wäre nur eine Behauptung, welcheso weit ginge, das Christenthum für eine bloße Religion desJenseits erklären zu wollen. Grundfalsch dagegen ist es, eineReligion des Diesseits mit dem Christenthum für verträglichzu halten. Das Christenthum ist eine positive Religion.*) Es
*) Positiv bezeichnet im Gegensatz zu dem, was durch Denken, unab-hängig von der Erfahrung gefunden ist, und was wegen dieses subjectivenUrsprungs verschiedene Weisen der Auffassung gestattet, etwas factisch bezw.geschichtlich Gegebenes oder das durch äußere Autorität Festgesetzte. PositiveGesetze sind die Vorschriften, welche durch bestimmte legislatorische Acte ge-geben und auf dem geordneten Wege rechtskräftig geworden sind; positivesRecht ist der Inbegriff der positiven Gesetze, entgegengesetzt dem sogenanntennatürlichen oder Vernunftrechte. Positive Religion ist die durch eine That-sache (Religionsstiftung, Offenbarung) für eine Gesammtheit in bestimmterForm und mit bestimmtem Inhalte gegebene, mit Dogma und Ritus aufäußerer Autorität beruhende, geschichtlich überlieferte Religion, im Gegensatzzur natürlichen, welche aus der Menschennatur unter Anregung der äußerenNatur hervorgeht, und welche in wissenschaftlicher Auffassung sich zur philo-sophischen Religion gestaltet. Die christliche Religion in ihrer Eigenschaft als