Buch 
Pariser Rechenschaft / von Thomas Mann
Entstehung
Seite
15
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UND DIE MUSIK IST MISERABEL

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Indem wir hier abstiegen, fanden wir uns vorzüglichberaten in Hinsicht auf die Lage unseres Quartiers, diesehr praktisch ist, aber weniger in Ansehung seines Cha-rakters. Das Palais dOrsay, obgleich es üppige Ap-partements zu bieten hat, ist vorwiegend Touristen-hotel, für längeren Aufenthalt nicht eingerichtet. Auchist es Festlokal des Pariser Mittelstandes, beliebterSchauplatz von Hochzeitsdiners, Vereinsbällen und der-gleichen erhitzenden Veranstaltungen mehr, deren sichtäglich mindestens eine hier abspielt. Dann stehen be-frackte Diener, goldene Ketten um den Hals, empfangendund wegweisend auf allen Podesten, auf den Treppenflirtet die Jugend und tanzt im Saal, es riecht nachFestivität, und die Musik ist miserabel. Übrigens er-wies sich unser Zimmer als durchaus schallfest, undeine Kommode wurde auf unsere Klage alsbald herein-gerückt. Man stellte Sonderberechnung dafür in Aus-sicht, hat aber, wenn mir recht ist, schließlich daraufverzichtet.

Wir ließen Frühstück kommen diesen herrlichenersten Imbiß des Tages, der an Reiz und Wert inmeinen Augen jede spätere Mahlzeit übertrifft. GroßeErheiterung über den Kellner, der, als wir etwas Honigvermißten, stattmielbiere verstand und sein Er-staunen über dies rohe Verlangen hinter der größten Be-reitwilligkeit verbarg, uns um sieben Uhr morgens Bierin beliebiger Menge herbeizuschaffen. Wir trankenunseren Tee mit dem erhöhten Vergnügen, das die An-nehmlichkeiten des Lebens auf Reisen gewähren, undfanden es später sehr wohltuend, nach durchrüttelterNacht und bis die Stadt sich beleben würde, in fest-stehenden und bequemen Betten noch eine Stunde zu