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Humorist vom „Hunger“ bis zum „Letzten Kapitel“ ?Ist nicht die Reaktion auf seine Erzählung vor allem dasLachen, das tief herauf quellende, zugleich sardonischeund herzensinnige, erquickungsvolle Lachen, zu demLeben und Wahrheit uns reizen, wenn sie so durch dasMittel der letzten Komik gezeigt werden? Wie ist esmit Bemard Shaw, dem nächsten im Range? Ist ernicht vor allem ein lustiger, ein zu vollkommenerFreiheit aufgeweckter, ein humoriger Geist? Diehumoristische Überlieferung ist stark in England ausepischen Bürgerzeiten her; alle LebensäußerungenAlbions waren mit Drastik, mit Humor durchsetzt vonjeher, noch die letzte Unterhausrede ist das; man kannden Humor geradezu die Form der britischen Männ-lichkeit nennen, und wirklich ist er allgemein etwas sehrMännlich-Germanisches. Das hindert nicht, daß heutedas Humoristische sogar in den romanischen Ländern umsich greift, sogar in Frankreich , dessen literarischer Sinnden Humor bisher eigentlich nicht kannte: er war sec—imGegenteile der Wortbedeutung von Humor. Heute ent-deckt es Jean Paul . Ist so etwas, wie die Reise des vonInsekten verfolgten Provinzialen in Gides „Caves duVatican“, noch französisch? Oder gewisse komischeDetailmassen bei Proust? Auf jeden Fall ist das alleshervorragend humoristisch: der Zeit zum Trotz ? Ihrzu Gefallen! behaupte ich, wenn auch der Sinn desHumors heute ein anderer sein mag als in satterenZeiten: nämlich der einer Zuflucht für Leidende. Wenrührte nicht das Bekenntnis unseres Hermann Hesse zum Humor, seine eingestandene Sehnsucht nach ihm,sein Willensbekenntnis, ihn fortan zu suchen, an ihn sichzu halten? — Was mich betrifft, so soll es mich wenig