UND DANN GLAUBE NOCH1
IO 9
wie dies und jenes französisch zu sagen sei und wieder-holt ihre Auskunft dann, wieder zu mir gewandt, fastschreiend und unter Gesten. Er spricht von Paris , woer nicht arbeiten kann. Der Winter ist hinzubringen,das Frühjahr zu ersehnen, um welche Zeit er mit denSeinen irgendwohin ans Meer, in die Nähe von Biarritz etwa, zu gelangen hofft, wo es besser sein, besser gehenwird. Sein Buch, das ich bewundere, er schenkt es mir;erregt und langsam schreibt er hinein, was die glatte,die fix und fertige Sprache des Westens ihm an dieHand gibt: etwas von „grande admiration“ und „lesplus sinceres Sentiments“ und auch seinen Namen fran-zösisch: Chmelow.
Von allem zu schweigen, was Menschen wie dieserphysisch erlitten, was sie an Greueln mit Augen habensehen müssen — mit letztem Erbarmen und letzter Ehr-furcht durchdringt uns erst die Vorstellung ihres ideellenElends, der teuflischen Demütigung und Vernichtungdes revolutionären Idealismus, von dem jeder höhereRusse erfüllt war und der durch das Erlebnis mensch-lich-viehischer Wirklichkeit in den Kot gezogen wurde.Die bitterste soziale Skepsis, den blutigen Hohn auf die„febris revolutionis“ der Grünschnäbel, der auf man-chem Blatte der „Sonne der Toten“ sich kundgibt, alsWeichlichkeit, Charakterschwäche, nichtssagende Em-pörung eines individuellen Opfers abzutun, ist nichts alsunwissende Literatur und der Dünkel der Abstraktion.Erlebe, was diese Menschen erlebt haben, und dann„glaube“ noch an die „Idee“! „Ich denke“, sagt jemandbei Schmeljow. „Ich denke immer: wieviel Material!Und welch Beitrag zur Geschichte ... des Sozialismus!Seltsame Sache: Die Theoretiker, die Wortdrechsler