Buch 
Pariser Rechenschaft / von Thomas Mann
Entstehung
Seite
116
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Il6 ABER WAS WILL DAS BESAGENI

hingeht, sich in einem Zustande moralischer Gleich-gewichtsstörung und radikaler Problematisierung befin-det, einer Verwirrung aller kürzlich noch klaren Begriffevon dem, was möglich und was nicht möglich ist,die diesem Lande klassischer Vernunft, das sich selbstnoch jahrelang nach dem Kriege als das intakteste undkonservativste Land Europas empfand, besonders kraß,befremdlich und unheimlich belustigend zu Gesichtesteht. Man muß aber hinzufügen, daß es nur von derTapferkeit des französischen Bewußtseins, d. i. von derStärke und Naivität seines Schrifttums zeugt, wenndiese Erschütterung und Desorientiertheit hier literarischmit besonderem Freimut zum Ausdruck kommtdennvorhanden ist sie überall, und ein typisches kleines Bei-spiel von moralischem Bolschewismus fällt mir ein, dasmir vor kurzem persönlich vorgekommen: Ich meinedie wirtschaftlich übrigens völlig uneigennützige undrein schabernackmäßige Fälschung eines Beitrags vonmir für eine Münchener Tageszeitung, bewerkstelligtmit aller Sorgfalt und gar nicht ohne Humor von einemnatürlich jungen Menschen, der sich, um seinen Streichüberhaupt zu ermöglichen, keinen Augenblick besonnenhatte, unter dem Begleitbrief die Unterschrift des angeb-lichen Absenders nachzuahmen. Die genasführte Re-daktion, die sich vogelfrei fühlte und der unfrischenAuffassung war, bei der Fälschung einer Unterschrifthöre der Spaß auf, sie sei kriminell was sie ja auchist, aber was will das besagen!, setzte den Staats-anwalt in Bewegung, ohne daß es bis heute gelungenwäre, den vorurteilslosen Spaßvogel festzustellen, dessenmusterhafte Diskretion und Vorsicht gewiß wenigerseiner Person als seiner Sache gilt, seinem guten bol-