Erster Teil: Die magische Physik.
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X.
Die Wünschelrute.
Das Mittelalter schrieb den Zweigen der Haselstaude die Fähig-keit zu, unterirdische Wasserläufe und in Bergwerken Metalladern an-zuzeigen, wenn der Zweig zu einer bestimmten Jahreszeit, in bestimmterStunde der Nacht von einem unschuldigen Knaben unter Hersagungbestimmter Worte gebrochen wird. Wie nun kein Aberglaube völliggrundlos ist, so hat auch dieser einen Wahrheitskern, den es heraus-zuschälen gilt.
Sensitive Personen unterliegen der Fernwirkung verschiedenerSubstanzen. Wenn ein Sensitiver, der eine Rute in den Händen hält,ein Terrain abschreitet, wo unterirdisches Wasser fließt, so wirkt dasfließende Wasser als Elektrizitätserreger auf das Nervensystem desRutengängers ein, und diese Einwirkung auf den Organismus setzt sichin räumliche Bewegung der gehaltenen Rute um, die durch ihre Neigunggegen den Erdboden die Existenz der unterirdischen Wasser- oder auchMetallader anzeigt. Die vermeintliche Eigenschaft der Rute — dienicht notwendig eine Haselrute zu sein braucht — verwandelt sich alsoin eine Eigenschaft einiger Rutengänger. Die Magie beruht also auchin diesem Fall auf unbekannter Naturwissenschaft.
Im Anfang unseres Jahrhunderts gab es in verschiedenen GegendenEuropas berühmte Rutengänger. Die Sache machte damals so großesAufsehen, daß Professor I. W. Ritter, Mitglied der k. Akademie derWissenschaften in München, nach dem Gardasee reiste, um dort denberühmten Rutengänger Campetti aufzusuchen. Er brachte ihn nachMünchen und stellte vor einer von der Akademie ernannten Kommissionsehr erfolgreiche Versuche an. Von seinem Bericht liegt leider nur dererste Teil gedruckt vor *). Aber Entdecker haben von jeher und überallmit jenem Gelehrtenskeptizismus zu kämpfen gehabt, der den brutalenNaturthatsachen nur Theorien und apriorische Negationen entgegenstellt.
*) Ritter: Der Siderismus.