Zweiter Teil: Die magische Psychologie.
137
geschehen kann. Muratori erwähnt einen blinden Bildhauer, der durchBetasten Farben unterschied ^). Da alle unsere Sinne Differenzierungeneines Gemeingefühls sind, müssen sie von hier aus angeregt werdenkönnen. Ja, es läßt sich sogar experimentell erweisen, daß unsere sinn-lichen Wahrnehmungen weder auf den Sinnesapparaten, noch aus derenNerven beruhen, sondern auf dem odischen Gemeingefühl. Die Nerven-apparat ist nur dann empfindlich, wenn er odisch geladen ist. Dasbeweisen die glänzenden Experimente von Rochas"). Er hat gezeigt,daß wenn jemand in Somnambulismus versetzt wird, die äußeren Od-schichten seines Körpers heraustreten, und die Empfindungsfähigkeit mitsich nehmen. Wenn wir eine Somnambule mit der Nadel stechen, istsie unästhetisch, weil das Od dieser Körperschichte herausgetreten ist;verladen wir aber dieses herausgetretene Od auf Wasser und stechen ineinem entfernten Zimmer in dasselbe, so wird die Somnambule auf-schreien, weil ihre Empfindungsfähigkeit nun in dem geödeten Wasserliegt. Wenn also die Materialisten sagen, alle Empfindungen liegenin den Sinnesapparaten, und einen odischen Sinn giebt es nicht, soist davon das gerade Gegenteil wahr: der Apparat nützt nichts, auchwenn er vollkommen intakt ist. Er ist empfindungsfähig, insofern erodisch geladen ist, und die Empfindungsfähigkeit bleibt in dem Od, auchwenn dasselbe den Körper verlassen hat. So kommt der alte Platon wieder zu Ehren mit seinem Ausspruch: Wir empfinden mit der Seeledurch Vermittelung der Sinnes.
Die Art, wie die Somnambulen ihre Wahrnehmungen bezeichnen,ist oft irreführend, weil sie sie in die Sprache der äußeren Sinne über-setzen. Eine Somnambule, wenn man ihr Gegenstände unter die Sohle,auf die Herzgrube oder in die Handfläche legte, sagte, sie sehe nicht gutund rieb sich dabei die Augen fi. Oft dramatisieren sie sogar ihreWahrnehmungen, indem sie z. B. von einer Stimme reden, die siehören. Manchmal sind sie im Unklaren, wie sie ihr Wahrnehmen be-zeichnen sollen ö).
Der sechste Sinn ist also nicht physiologisch zu verstehen, er hatkein besonderes Organ; er ist als vdischer Zentralsinn zu verstehen, unddie Exteriorisation der Sensibilität beweist, daß auch jede physiologischelokalisierte Sinnesthätigkeit im Grunde genommen nur eine odische ist.
Z Muratori: Ueber die Einbildungskraft. I. 137. — Nochas: l'sxtsriori-sation äs In sensilMts. — Platon Theätet. — Z Bertrand: 1s inaAnstisinesir Kranes. 461. — "y Du Polet: Gratis eoinxlst <1s innKn. an. 534.