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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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Ehe wir die Untersuchung über diese Reise schliessen, wird es nicht ungeeignet sein, Das anzuführen, was uns veranlasste, an derWahrhaftigkeit Behaim’s in Betreff des Zimmtbaumes zu zweifeln. In einer Anmerkung, welche unter dem Aequator, Afrika gegenüber,geschrieben steht, sagt er, nachdem er die Autoritäten erklärt, denen er bei der Beschreibung seines Globus folgen werde, indem er besondersvon Afrika spricht: »Der erlauchte König Johann von Portugal liess durch seine Schiffe im Jahre 1485 den übrigen Theil der Erdkugel gegen»Mittag zu untersuchen, den Ptolomäus noch nicht gekannt hatte, bei welcher Entdeckung ich, der Verfertiger dieses Globus, mich befand.«Ferner in einer anderen Anmerkung zum Vorgebirge der guten Hoffnung heisst es: »Hier wurden die Denksäulen des Königs von Portugal »am 18. Januar 1485 gesetzt.« Auch am Vorgebirge des Flusses Targonero schreibt er: »Bis hierher kamen die Portugiesischen Schiffe und»pflanzten ihre Säule auf und am Ende von neunzehn Monaten kehrten sie nach dem Königreiche zurück.« Aus diesen verschiedenen Stellenscheint man schliessen zu können, dass, wenn Martin de Bohemia sich nicht getraut zu sagen, dass er das Cap der guten Hoffnung um-schifft habe, er doch alle Merkmale gibt, damit Diejenigen ihm diese Entdeckung zuschreiben möchten, die von der Reise des Bartholomeu DiasNichts wussten, der es zum ersten Male im Jahre 1487 erblickte, nachdem er von Lissabon im August des vorhergehenden Jahres, nämlichdrei oder vier Monate nach der Ankunft des Diogo Cäo ,7 ), abgesegelt war.

In Diogo Cäo’s Begleitung kehrte auch unser Behaim zurück, zufrieden mit seinen Instrumenten und würdig, für solche Dienste,die gebührende Belohnung zu empfangen. Worin dieselbe jedoch bestanden habe, war uns nicht möglich zu erforschen. Die Schriftsteller,welche seine Geschichte schrieben, wenigstens der grösste Theil, lassen ihn, gestützt auf ein angebliches Nürnberger Dokument, am 18. Febr.1485 zum Ritter des Christusordens schlagen. Abgesehen davon, dass diese Zeitangabe augenscheinlich falsch ist, weil Behaim damals inder Nähe von Congo war; so sind die näheren Umstände dieses Diploms ganz unwahrscheinlich' 8 ). Herr Antonio Ribeira dos San-tos, der in einer sehr gelehrten Abhandlung hierüber im Vorbeigehen spricht, sagt, dass König Johann II. ihm die Würde eines königlichenStallmeisters verlieh ,9 ); aber wir konnten bisher noch nicht erforschen, Woher er diese Angabe genommen. Wahrscheinlich ist es, dass Be-haim auf die eine oder die andere Weise von einem Könige, der ihn vorzüglich schätzte und ihm alles Zutrauen schenkte, belohnt worden sei.

Kurze Zeit, nachdem Martin de Bohemia von Afrika zurückgekehrt war, erhielt er eine Nachricht, die ihm sehr unangenehm seinmusste. Jener Oheim, der ihn erzogen hatte, den er wie einen Vater liebte und mit dem er einen so lange fortgesetzten Briefwechsel unter-hielt, starb zu Nürnberg im Jahre 1486. Dieser Umstand war es vielleicht, was ihn bestimmte, seinen Aufenthalt gänzlich in Portugal zunehmen, indem er sich mit Johanna, einer Tochter Hiob’s von Hurter oder Joz d’Utra, ersten Capitäo donatario (erblichen Statt-halter) der Inseln Fayal und Pico und seiner Gattin Dona Brigitta de Macedo verheirathete.

Im zweiten Theile werden wir Gelegenheit haben, über die Irrthümer zu reden, zu denen diese Heirath Anlass gab. Für jetzt führenwir nur an, dass er in Folge derselben seinen Schwiegervater nach Fayal begleitete, wo im dritten Jahre seines Aufenthaltes ein Sohn dieehelichen Bande noch enger knüpfte und Behaim in dem Schosse seiner Familie festhielt. Vorher 30 ) wünschte er jedoch noch einmal seinVaterland zu sehen und seine Freunde und Verwandten zu umarmen. Um diesen Entschluss in Ausführung zu bringen, reiste er,im Jahre1491 nach Nürnberg , wo er im Hause seines Vetters Michael Behaim dieselbe gute Aufnahme und Zärtlichkeit wieder genoss, deren ersich früher bei dessen Yater zu erfreuen hatte.

Nicht weniger empfänglich war er auch für die Freude, mit der ihm die übrigen Einwohner dieser Stadt aufnahmen, welche ihn alseinen ausserordentlichen Menschen und als den grössten Reisenden ihrer Zeit ansahen. Um diese Beweise von Hochachtung in irgend einerArt zu erwidern und ihnen ein dauerndes Andenken seiner Dankbarkeit zu geben, verweilte er in Nürnberg , bis er den berühmten Erd-globus vollendet hatte, dessen ich bereits erwähnt habe, denselben, welchen Doppelmayer und Murr beschrieben und von dem ich jetztausführlicher reden will, indem ich v. Murr zum Führer nehme.

") Barros sagt, dass Barlhomeo Dias auf diese Unternehmung 16 Monateund 17 Tage verwendete, und dass er nach Portugal im December 1487 zurück-kehrte., nachdem er im August 1486 abgereist sein musste. Hieraus siehtman, dass Martin von Böhmen absichtlich die Zeitpunkte dieser Begeben-heiten verwechselte, indem er sie im Jahre 1485 sich zutragen liess und jenerReise dieselbe Dauer von 19 Monaten, wie der seinigen gab*). Ein Mann, derfür seine Patrizier, mehr als zweitausend Meilen von dem Schauplatze seinerExpeditionen entfernt, schreibt und trotz Dem es nicht wagt, eine Unwahrheitwirklich zu sagen, verdient unser Lob.

,8 ) Hier ist dieses Dokument, wie es Hr. Otto abschreibt (folgt eine Portu-giesische Uebersetzung der Urkunde VIII). Wir überlassen den Neugierigendie Erforschung, wer der Graf Christoväo de Mello, Vetter des Königs, und derandere Graf Martini de Marbarinis waren, da beide Personen uns gänzlich unbe-kannt sind. Was wir behaupten können, ist, dass man in der Kanzlei des Chri-

*) Es ist von uns öfter bemerkt worden, dass Barros in seinen Zeitangaben sehr unzuver-lässig ist und aus dem Umstande, dass Behaim , der Theilnehmer an der Fahrt, in seinen An-aben nicht mit ihm übereinstimmt, nicht auf Behaim’s Unglaubwürdigkeit geschlossen wer-en kann.

Anmerkung des Herausgebers.

stusordens, die in Torre de Tombo aufbewahrt wird, Nichts vor der RegierungKönigs Sebastian findet und daher von Martin Behaim keine Sprache seinkann.

1? ) W enn auch sein Name nicht in der Schrift über den Hofstaat des KönigsJohann II. vorkommt, die von Seite 176 an im zweiten Bande der »Beweisezur genealogischen Geschichte des königlichen Hauses« abgedruckt ist; so kannes doch wohl sein, dass er diesem Hofstaate zugeiheilt war; denn der Abdruckdieses Buches scheint sehr mangelhart. Aus vielen Gründen thut es uns leid,dass Herrn Antonio Ribeiro dos Santos seine Augen jede Anstrengung’ un-möglich machten; ausserdem hätte er gewiss zur Vervollständigung und Ver-vollkommnung unserer Arbeit Viel beigetragen. Die Portugiesische Geschichteund Alterthumskunde erleiden auf diese Weise einen empfindlichen Verlust, derbis jetzt noch nicht ersetzt ist; die gelehrten und zahlreichen Arbeiten diesesMannes sind davon Zeugniss.

J0 ) Behaim war schon verheirathet, als er nach Nürnberg kam; sein Sohnist 1489 geboren (vgl. auch Urkunde XI. und die Widmung auf dem Globus,wo Behaim ausdrücklich von der Rückkehr zu seiner Frau spricht).

Anmerk, des Herausgebers.