Buch 
Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
Entstehung
Seite
93
JPEG-Download
 

93

Macedo, von welcher die Frau Martin’s de Boheinia war, und das zweite Mal mit N. Corterreal, von der die Nachfolger, die eineZeit lang im Besitze jener Statthalterschaften waren, abstammen 6 ).

Der zweite Punkt, den wir uns zu untersuchen Vornahmen, ist der Anlheil, den Behaim an der Entdeckung Amerika’s gehabthat. Einige behaupten nämlich, gestützt auf eine alte Chronik, auf das Zeugniss von Hartmann Sch edel und auf eine alte Karte, die manim Kabinet des Königs Emanuel vorfand, auf welcher sich dieser vierte Theil der Erdkugel verzeichnet findet, Behaim sei bis dorthin vor-gedrungen. Da der Präsident Graf Carli, Herr Murr und Graf von Ayaba schon hinlänglich die Unhaltbarkeit der beiden ersten Argumentedargethan haben; so möge es uns erlassen sein, Das zu wiederholen, was Andere schon gesagt haben. Man darf in der That nur Daslesen, was wir im ersten Theile in Belreir des Erdglobus geschrieben haben, um einzusehen, dass bis zu jener Zeit der AmerikanischeContinent dem Verfertiger in keiner Weise bekannt gewesen sei, obgleich er nachher aus den Nachrichten, die ihm bis zu seinem Tode 1506zukamen, jene Karte recht wohl hersteilen konnte, welche er dem König Emanuel überreichte.

Wenn wir jedoch, anstatt diese Frage faktisch zu betrachten, nur von ihrer Möglichkeit sprechen, nämlich, ob Martin de Bohemia überzeugt gewesen sei, dass Länder oder Inseln auf jenem Theile der Erdkugel vorhanden sein könnten, so zögern wir nicht, zu gestehen,dass uns Dieses ausser allem Zweifel zu sein scheine.

Die Meinung von der Kugelgestalt der Erde schreibt sich aus den ältesten Zeiten her. Aristoteles und Plinius hatten die Wahrheit dieserVorstellung bewiesen, die ihnen schon von Thaies und Plato zukam. Von der Annahme der Kugelgestalt hatte man nur noch einen Schritt zu demGlauben an das Vorhandensein von Antipoden, deren Existenz Pythagoras, Plato, Aristoteles und viele Andere, die ihnen folgten, behaupteten.

Wenn man mit Ptolemäus den Aequator in 360 Grade eintheilt, so sieht man leicht, dass die Alten nur 180, das ist eine Hemi-sphäre des Erdballs kannten, und dass die Länder der anderen Erdhälfte ausser dem Bereich ihrer Kennlniss lagen; nach den damaligennautischen Vorstellungen glaubte man, dass dieselben von grossen Meeren oder undurchdringlichem Eise umgeben seien, wodurch esunmöglich werde, ihnen nahe zu kommen.

Ob diese Länder Inseln oder Festland seien, war nicht leicht festzustellen, noch weniger ihre Lage. Da jedoch einestheils dasBekenntniss unserer Unwissenheit schwer, anderntheils es weit leichter ist, die Vorstellungen von schon bekannten Gegenständen zu erweiternund daraus Schlüsse auf andere, neue zu «iehen; so erklärte man, dass das Festland von Asien , dessen Küste noch nicht erforscht war,sich viel weiter erstrecke, als es wirklich der Fall ist, und dass der Theil des Oceans, welcher zwischen Asien, Europa und Afrika liegt,vielleicht mit grossen und kleinen Inseln angefüllt sei.

Zwei dieser muthmasslichen Inseln, die der sieben Städte, auch Antilia genannt, und die von S. Brandäo, verzeichnet Behaim auchwirklich auf seinem Globus; aus einem ähnlichen Grunde war auch Columbus , als er auf seiner dritten Reise im Jahre 1498 das LandParia auf dem Continent entdeckte, der Meinung, dass es eine Insel sei. Der Name Indien selbst, den die Spanier anfingen, Amerika beizu-legen, beweist, dass sie überzeugt waren, sie befänden sich in Indien , als sie an der neuen Welt anlandeten. Daher kam auch das grosseErstaunen des Vasco Nunez de Valboa, als er, nachdem er die Landenge von Panama durchwandert hatte, zum ersten Male die Südsee,gewöhnlich Stilles Meer genannt, erblickte.

Aehnliche Gedanken hatten ohne Zweifel Christoph Columbus und sein Freund Martin de Bohemia , der längere Zeit mit ihmam Hofe zu Lissabon verweilte. Die kosmographischen Betrachtungen des Letzteren, wie namentlich die Angabe der beiden Inseln, die ervereinzelt in die Mitte jenes grossen Meeres gezeichnet hatte, machten ihm das Vorhandensein grösserer Länder zur Gewissheit. So weitkonnte man auch allerdings durch einfache Vernunftschlüsse kommen; das Uebrige musste der Schifffahrt Vorbehalten bleiben.

Damit es jedoch nicht scheine, als sagten wir dieses ohne Beweise, so geben wir eine Stelle aus der schon öfter citirten Hiatoriaitmulana, welche aus Fr. Gaapar Fructuoso entnommen ist, wo man unter einigen wunderbaren und fantastischen, der damaligen Zeitangemessenen Aeusserungen einen deutlichen Beweis findet, dass dergleichen Vorstellungen damals allgemein umliefen 7 ).

»Er errieth (heisst es an dieser Stelle über Martin de Bohemia ) so viele Dinge durch die Beobachtung der Gestirne, und diese»Dinge trafen nachher so zuverlässig ein, dass das unwissende Volk, anstatt ihn für einen ausgezeichneten Astrologen zu halten, einen

6 ) Ich muss dagegen dem Cordeiro recht geben, dass es zwei Joz d’Utra,Vater und Sohn, gegeben habe. Joz d’Ulra führte 1466 die Colonie der Fla-mänder nach Fayal, hatte auch 1486 schon eine heirathsfähige Tochter, die eran Behaim verheirathete, und muss demnach im Jahre 1500 schon wenigstens zwi-

schen 50 und 60 Jahre alt gewesen sein. Er könnte also wohl noch die vomJahre 1509 datirte Bestätigung nachgesucht haben, nicht aber die von 1528.Zudem sucht Manuel d’Utra im Jahre 1550 um Bestätigung nach, da sein VaterJoz d’Utra gestorben sei. Dieser Joz d’Utra, der kurz vor 1550 oder in dem-selben Jahre gestorben sein muss, wo die Bestätigung erfolgt, da man dochsolche Gesuche alsbald nach eingetretenem Todesfälle stellt, kann unmöglichnoch der alte Joz d’Utra sein. Die Sache ist so klar, dass es einer ausführ-

licheren Untersuchung nicht bedarf. Es müssten bei einer solchen auch dieRegierungszeiten der damaligen Portugiesischen Könige in Betracht kommen,nämlich der Könige Alfons von 1448 —1481, Johann II. 1481—1495,Manuel von 1495—1521, Johann III. 1521—1557; denn die Hurter konnten nurum Bestätigung der Bestallung nachsuchen entweder wenn ein neuer König zurRegierung kam , oder wenn der bisherige Statthalter gestorben war. Freilichwäre es auch möglich, dass sie in einem solchen Falle die Eingabe um Bestä-tigung Jahre lang verzögert hätten. Die in der Urkunde angegebenen Zahlenscheinen auf Todesfälle in der Familie zu deuten; denn sie treffen mit keinemRegentenwechsel zusammen. Anmerk, des Herausg.

’) Siehe Hiatoria insulana Buch 9. Kap. 9, §. 42.

U