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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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465
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Antwort an Kratzer.

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gut ferlorn, clan das von gott unter leib und feil in das hellifch fewer ferfengt wird.Dozu mach uns gott beftendig im guten und erlewcht unter widerbart, dy armen elendenblinden lewt, awff das dy nit in irem irfall ferderben.

Himyt feit Gott befohlen. Item fchick ewch zwey angeficht vom kupfer getrugtlr wert fy woll kennen. Von newen mern ift zw.der zeit nit gut zu fchreiben, aber essind fill büfer anfchlag ferhanden. Es wird allein der wille Gottes gefchehen.

E(uer) W(eisheit)

Albrecht Dürer «.

Diefer Brief ift offenbar die Antwort auf den vorhergehenden.Von dem Inftrumente, nach welchem Kratzer gefragt, will Pirkheimerihm ein Exemplar machen laffen und zufenden. Der Nachlafs desHerrn Hans ift zerftreut; Dürer weifs nicht wohin, da er bei deffenTode verreift war. Stabius Sachen waren alle nach Oefterreich ge-kommen. Sodann erinnert Dürer Kratzer an fein Verfprechen, denEuklid ins Deutfche zu iiberfetzen, und fährt fort: »Item des chrift-lichen Glaubens halben müfsen wir in Schmach und Gefahr ftehen,denn man fchmäht uns Ketzer. Aber Gott verleih uns feine Gnadeund ftärke uns in feinem Worte! . . . Dazu mache uns Gott beftändigim Guten und erleuchte unfere Gegner, die armen, elenden, blindenLeut, auf dafs die nicht in ihrem Irrfal verderben«! Er fchicktKratzer auch »zwei Angefichter vom Kupfer gedruckt. Ihr werdetfie wohl kennen«!

Es kann kaum zweifelhaft fein, welches die beiden Bildniffe inKupferftich find, deren Abdrücke Dürer dem Briefe beilegte. Erpflegte die Freunde mit feinen neueften Arbeiten zu überrafchen;und dies waren im Jahre 1524 die beiden Meifterwerke feiner Porträt-kunft, das Bildnifs des Kurfürften Friedrich des Weifen, feines älteftenGönners (B. 104) und das feines Freundes Wilibald Pirkheimer (B. 106),beide in jenem Jahre vollendet. Der Kurfürft hatte ihm vermuthlichwährend des letzten Reichstages zu Nürnberg im Vorjahre gefeffen.Würdiger, als es fein Hofmaler Lucas Kranach vermochte, ift hiervon Dürer der beleibte Herr dargeftellt, in deffen Weisheit die That-kraft fichtlich untergieng. Doppelt glücklich mochte fich der Meifterbei der Arbeit dem Fünften gegenüber fchätzen, dem er perfönlichfchon fo viel verdankte und den er »ob der Gunft, die er dem WorteGottes angedeihen liefs, für würdig hielt von aller Nachwelt verehrtzu werden« ').

Dafs er die gleiche Sorgfalt auch dem Bruftbilde feines älteftenFreundes Pirkheimer zuwandte, wer könnte daran zweifeln! Dürer verewigte uns die gedrungenen, energifchen Gefichtszüge, die grofsen

1 ) Ille Dei verba magna pietale favebat, | Perpetua dignus posteritate coli.Th au fing, Dürer. 3°