Die Fecht- und Ringkunft.
5 11
Dürer gilt auch als der Verfaffer eines der erften deutfehen Lehr-bücher der Fecht- und Ringkunft, das ftch nur in Handfchriften er-halten hat unter dem Titel: f OnXnöidaöxaliu siue armorum tractando-rum meditatio Alberti Dureri Anno 1512. Ein Exemplar davon be-findet fich zu Breslau im Befitze der Magdalenäifchen Kirchenbibliothek,ein zweites, noch inhaltreicheres in der k. k. Fideicommifs-Bibliothekin Wien l ). Nun berichtet freilich Camerarius , dafs Dürer auch überGymnaftik gefchrieben habe 2 ), und in den Londoner Dürerhandfchriftenfinden fich in der That zweimal zwei Fechterpaare mit Ueberfchriftenvon Dürers Hand und unter dem Titel: »Item die vier nachfolgendenStücke find die vier Läger (Auslagen) im Meffer, wie fich ein künft-licher Meifter darin fchicken Toll, und die vier Haue oder Brüchedarwider«. Darüber fteht merkwürdigerweife auch gerade die Jahres-zahl 1512 mit dem Monogramm 3 ). Gleichwohl bleibt es fraglich, ob fichvon Dürers Fechtbuch mehr als diefes Londoner Bruchftück erhaltenhabe. Die dafelbft abgebildeten Fechterlagen kommen weder in derBreslauer noch in der Wiener Handfchrift vor. An der letzteren ift,nichts von Dürers Hand, und das Gleiche gilt wohl von dem imWefentlichen mit derfelben übereinftimmenden Codex zu Breslau .Ob aber in diefen fremden Manufcripten und Zeichnungen Copienoder Bearbeitungen eines auf Dürer zurückgehenden Originales zufehen feien, bedarf erft noch der Unterfuchung.
Dasjenige Werk aber, an welches Dürer die gröfste Mühe ge-wandt und über dem er ein ganzes Menfchenalter hindurch gegrübelthat, ift feine Proportionslehre. Der Titel des Buches lautet: Hierinfind begriffen vier Bücher von menfchlicher Proportion, durch Al-brechten Dürer von Nürnberg erfunden und befchrieben zu Nutz allendenen, fo zu diefer Kunft Lieb’ tragen; MDXXVIII. Dürer erlebtedie Ausgabe des Werkes nicht mehr, er ftarb über den Vorbereitungenzu deffen Drucklegung. Blofs das erfte der vier Bücher hatte er druck-fertig hinterlaffen'). Die übrigen drei Bücher wurden von feinenP'reunden redigiert und das Ganze erfchien am letzten October 1528
I) K. Waffmannsdorf, die Ringkunft desdeutfehen Mittelalters mit 119 Ringerpaarenvon Albrecht Dürer aus den deutfehenFechthandfcliriften zum erften Male heraus-gegeben. Leipzig 1870. S. IV. und vondemfelben: Das erfte deutfehe Turnbuchmit Zufälzen aus deutfehen Fechthand-fchriften und 17 Zeichnungen von A. Dürer , ■Heidelberg 1871. Vergl. Bilfching: A.Dürers jFecht- und Ringer-Buch (Breslauer Hand-
fchrift), Kunftblatt 1824. S. 139.
2) Siehe oben S. 359.
3) Jahrb. f. Kunftw, I, 20.
4) Wenn er in einer älteren Aufzeich-nung auch das zweite Buch als druckfertigbezeichnet, Zahn, Jahrb. f. K. I, 7, fo wider-fpriclit das jener Auslage der Herausgebernoch nicht, da er vermutlilich feine Arbeitwiederholt für abgefchloffen hielt, um fiedennoch wieder auf’s Neue vorzunehmen.