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Dürer : Geschichte seines Lebens und seiner Kunst / Moriz Thausing
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XVII. Krankheit, Tod und fchriftlicher Nachlafs.

unterdrückt und ausgetilgt worden feien, um der Abgötterei willen.Denn fie haben getagt, der Jupiter foll eine folche Proportion haben,der Apollo eine andere, die Venus foll fo fein und der Hercules fo,desgleichen mit den anderen allem Sollte dem alfo gewefen fein undwäre ich zu derfelben Zeit zugegen gewefen, fo hätte ich gefprochen:

O lieben heiligen Herren und Väter! um des Böfen willen wollet dieedle, erfundene Kunft, die da durch grofse Mühe und Arbeit zufammen-gebracht ift, nicht fo jämmerlich unterdrücken und gar tödten, denndie Kunft ift grofs und fchwer und wir mögen und wollen fie liebermit grofsen Ehren in das Lob Gottes wenden; denn in gleicher Weife,wie fie die fchönfte Geftalt eines Menfchen ihrem Abgotte Apollozugemeffen haben, alfo wollen wir diefelben Mafse brauchen zu Chriftodem Herren, der der fchönfte aller Welt ift; und wie fie Venus alsdas fchönfte Weib gebildet haben, alfo wollen wir diefelbe zierlicheGeftalt in keufcher Weife beilegen der allerreinften Jungfrau Maria,der Mutter Gottes; und aus dem Hercules wollen wir den Samfonmachen; desgleichen wollen wir mit den anderen allen thun«.

Doch kehrt Dürer immer wieder zur Natur zurück. Aus ihr alleinfliefsen ihm die Quellen der Schönheit, die der Schöpfer hinein-gelegt hat. Wiederholt erinnert er, »der rechten natürlichen Eigenfchaftfleifsig anzuhangen« und »der Natur nichts abzubrechen und ihr nichtsUnerträgliches aufzulegen«. Er warnt vor allem Ueberfchreiten der inder Natur gefleckten Grenzen: »Doch hüte fich ein Jeder, dafs er nichtsUnmögliches mache, das die Natur nicht leiden könnte; es wäre denn,dafs Einer ein Traumwerk machen wollte, in folchem mag man allerleiCreatur untereinandermifchen« , ). Liegt nun aber auch alle Schönheit inder Natur befchloffen, fo befteht doch für die befchränkte Menfchenkraftdie grofse Schwierigkeit, fie zu erkennen und im Bilde wiederzugeben,»denn es ift nicht eine kleine Kunft viel unterfchiedliche Geftaltender Menfchen zu machen; die Ungeftalt will fich von felbft ftets inunfer Werk flechten. Ein fchönes Bild zu machen, kannft du vonEinem Menfchen nicht abnehmen, denn es lebt kein Menfch auf demErdreich, der alle Schöne an fleh habe er könnte immer nochviel fchöner fein. Es lebt auch kein Menfch auf Erden, der fchliefs-lich fagen könnte, wie die allerfchönfte Geftalt der Menfchen feinkönnte. Niemand weifs das, denn Gott allein« »wem er es offen-barte, der wüfste es auch; fügte er fpäter hinzu. Die Wahrheit hältallein innen, welches der Menfchen fchönfte Geftalt und Mafs feinkönnte und keine andere« 2 ).

i) Proportionsl. III. fol. T lll> I und ib ;

2) Proportionsl. III. T 11.