II.
Wer hat den farnesischen Liier ergänzt?
Unter den wenigen im Aufbau zusammengeschlossenen Gruppendes Alterthums, die aus mehr als zwei Figuren bestehen, ist nächstdem Laokoon die berühmteste der farnesische Stier im königlichenMuseum zu Neapel . Zwei kraftvoll gebildete Heldenjüngliuge,auf einen Marmorberg mit weit auseinander gestellten Beinenaufgestemmt, binden eine blühende Frau au die Hörner eines sichbäunienden jungen Stiers: der eine hält das Thier an dem Hornund greift ihm mit der andern Hand in die Nüstern, der zweitehat ihm ein Seil um die Hörner geschlungen und zieht dasselbefest an, um jetzt an das andere Ende die junge Frau zu binden,welche vor dem Stier halb sitzt, halb liegt. Die Frau wendetden Oberkörper rückwärts und sucht mit der aufgehobenen rechtenHand den Hilf des stürzenden Stiers von sich abzuwenden, wäh-rend die linke Hand, bittflehend oder um sich anzuklammern, . bieWade des rechts stehenden Jünglings umfaßt. Seitwärts vondem Stier nach hinten zu steht eine bekleidete Frau mit einemSpeer, ohne an der Handlung Theil zu nehmen. Der Momentist vortrefflich gewühlt, die Jünglinge halten den Stier nur mitgrößter Anstrengung zurück. Nur noch ein Moment, bis dasgrausame Werk vollendet ist, dann werden sie zurückspringend dasbäumende Thier loslassen, dasselbe wird vorwärts stürzen unddie Frau über den zackigen Felsgrund hinabreißen.
Die gewaltige Gruppe, die auch dadurch übermächtig wirkt,daß sie viel colossaler als der Laokoon ist, war schon iin Alter-
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