42
II. Wer hat bnt farnesischen Stier ergänzt?
aus der Geschichte in Wandbildern verewigt, und war für Künstleraller Art ein brillanter Mäcen.*)
Die Unterschrift des Kupferstiches paßt vollkommen in dieVerhältnisse. Der Cardinal Nipote, in dessen Familienbesitz undPalast die Gruppe sich befindet, hat dem Künstler befohlen sie zurestauriren, und ihm widmet der Kupferstecher sein Werk. DieRestauration ist vollendet, vollendet so wie wir sie heut noch aufder Photographie sehen. Es fehlt nur noch ein flatternder Zipfelam Gewand des Amphion, dieser ist aber zwei Jahre später, 1581,auf dem Stich der Diana Ghisi ebenfalls fertig. An der Beglau-bigung des Künstlers, der die Restauration gemacht, ist also nichtzu zweifeln.
Nur Einen Unterschied zeigt die Gruppe jetzt von den Kupfer-stichen des Robertns und der Diana. Auf letzteren legt Dirke ihre rechte Hand unter das rechte Vorderbein des Stieres, alswollte sie gegen dessen Vorstürzen sich schützen. Dieß ist jetzt ab-geändert, sie streckt vielmehr die rechte Hand frei gegen den Am-phion heraus, offenbar um die Intention ihrer linken Hand zuunterstützen, die sich bittflehend an die Wade des Jünglings an-klammert. Dieß ist schöner als das Doppelmotiv der ersten Er-gänzung, und es erklärt diese Eine Aenderung vielleicht die schwan-kende Angabe, die Gruppe sei in Neapel nochmals restaurirt worden.
So weit war ich mit dieser kleinen Untersuchung schon voreinigen Jahren gelangt, ich mochte aber damit nicht heraustreten,weil ich wartete, ob denn dieser „Joannes Baptista Blaneus" sichnicht sonst woher enthüllen möchte. War es denkbar, daß voneinem doch immerhin bedeutenden Künstler, den: man solch einWerk anvertraute, aus jenem in der Künstlerbiographie so schreib-seligen Jahrhundert gar kein Laut zu uns gedrungen wäre? Ichglaube nun den Schlußstein einfügen zu können.
Der italienische Localpatriotisnms hat uns mit einer Zahlwerthvoller Monographien über die Künstler der einzelnen Städtebeschenkt. Unter diesen ist eine der wichtigsten das Buch des Cava-
„(KV) grandissimo Mecenate de’ Virtuosi .“ Baglione (im Leben desGiulio Clvvio), p. 14. Auch Clovio, die Zuccheri und Sprauger traten inden Dienst des Cardinals.