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Mosaik zur Kunstgeschichte / von Dr. Gottfried Kinkel
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VII. Die Sophienlirche von Constantinopel.

ist,, daß jedes Gebäude nur Eine Hauptkuppel tragen darf. Inder Kuppel spricht sich die Despotie aus, welche die Leiber be-herrscht und die Gewissen zugleich. Darum hatte Byzanz, darumRußland und der Islam, wo der Sultan zugleich der Papst ist,ein so lebhaftes Gefühl für diese Bauform. Im Abendland, woPapst und Kaiser neben einander standen, wo der Lehnsstaat, dasBürgerthum den Despoten zügelte, hat die Kuppel niemals breitenBoden gewonnen. Wo sie vereinzelt auftritt, da bezeichnet siefast immer, daß in der Gesellschaft sich eine Wendung zum Ab-solutismus vollzieht. In den drei nordischen Reichen, wo dieFreiheit stets ein nie sich verrückender Nordstern über der Stirnder Männer stand, erhebt sich auch nicht Ein monumentaler Kuppel-bau. Als Rom am Ende des Mittelalters sich für unerschütterlichhält, legt es den Grund zum St. Peter. Auf dem freien BodenGroßbritanniens steht Eine Kirchenkuppel, nur Eine: es ist diePaulskirche in London, und diese ist unter Karl II. begonnen, alsman meinte mit der Revolution fertig zu sein. In Frankreich hatRichelieu in seinem überwundenen Paris den ersten Kuppelbauerrichtet. Nicht so leicht wie diese klare Sprache der Steine ver-steht sich der Sinn derjenigen Stile, die in reicherer Gliederungder Architektur, wie in unserm Mittelalter, ihre Weltanschauungausprägen. Wer aber nur den Kölner Dom ansieht mit den beidengleichwiegenden Thürmen, wird doch sogleich fühlen, daß hier eineZweiheit zum Ausgleich gebracht ist. Und redet in ihrer Archi-tektur nicht auch unsere Zeit zu uns? Freilich, wo wir bloß dieUeberlieferung einer vergehenden Welt fortsetzen, wo wir neueKirchen und Paläste bauen, da kramen wir in allen alten Stilenfort. Die Neuschöpfung unserer Zeit aber ist nicht in Stein, son-dern in Eisen und Glas. Unsere eigensten Thaten sind die Welt-ausstellung, der Krystallpalast, der Bahnhof: die ungeheuere Halleder Gleichheit, die Tausenden Schirm vor dem Wetter giebt unddoch bis in die letzten Ecken vom vollen Tageslicht der Öffent-lichkeit durchdrungen ist. Wie dereinst die Wissenschaft des In-genieurs, der Geist des Architekten, die Erfindung des Decorateursdiesen Stil zur Pracht entwickeln werden, das sehen wir heut sowenig voraus, als man bei der skeletthaften Einfachheit der frühesten