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Mosaik zur Kunstgeschichte / von Dr. Gottfried Kinkel
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308
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308 VIII. Tie Brüsseler Rathhausbilder des Rogier van der Weyden

des Gehaltes. Die Stadthandwerker, wie Maurer und Schreiner, ,erhielten jährlich ein Viertelstück Tuch, Rogier als Künstler einDrittelstück, die studirten Aemter: Sachwalter, Pensionaris, Arzt,Stadtschreiber und die Clercs oder Greffiers, Jeder ein halbesStück Tuch. Außerdem trug der Stadtmaler seinen Mantel aufder rechten Schulter, die Handwerker auf der linken.*) Rogier,der sehr fleißig war und außer den Rathhansbildern für dasganze burgundische Reich arbeitete, aber auch Sachen nach Italien verkaufte, kam zu großem Wohlstand; im Jahr 1444 kauft er sichein stattliches Haus in der rue des Carrieres (jetzt rue de PEm-pereur). 1449 erscheint er noch mit dem Titelportrateur denstad van Brüssel , und dieses Amt scheint er sein ganzes Lebenbehalten zu haben; wenigstens hat er noch 1462, zwei Jahre vorseinem Tode, eine Taxation für eine Bemalung von Statuen vor-,genommen, welche Bemalung ein anderer Künstler ausgeführt hatte.

Rogier war jedoch, wie es scheint, der erste flandrische Künstler,welcher Italien besuchte. Im Jahr 1450 kam er nämlich beiGelegenheit des Jubeljahrs nach Rom . Werke von ihm warendamals in Italien schon verbreitet und sehr berühmt, und zwarwar es sein Lieblingsgegenstand, die Kreuzabnahme, wovon schon1449 Cyriacus von Ancona bei dem Markgrafen von Este einExemplar sah; ja für denselben Markgrafen arbeitete in demselbenJahr zu Ferrara ein Sieneser, Angelo Parrasio, welcher Bildervon Eyck und Rogier sich zum Muster nahm. Auf den Flügelnjener Kreuzabnahme sah man Adam und Eva aus dem Paradies ver-trieben und eine fürstliche Person, vielleicht als Donator, knieend.**)Auch Alphons von Arragon, König von Sicilien , besaß nebeneinigen Eycks mehrere auf Leinwand gemalte Bilder des Rogier.Wir erhalten diese letztem Notizen durch einen gleichzeitigen Italiener,Bartholomäus Facius, der ein Buch von berühmten Zeitgenossen

*) Wauters in seiner Brochure über Rogier, Brüssel 1856.

**)Regulus quidam supplex. War dieß wirklich der Donator, oderwar es am Ende, als Wiederholung des einen Flügels auf Rogier's An-betung des Christuskindes in Berlin, Kaiser Augustus , der auf Anweisungder Sibylle den Weltheiland verehrte? Wenn er, wie in Berlin , die Trachteines burgundischen Herzogs trug, wäre der Ausdruck regulus sofort erklärt.