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Mosaik zur Kunstgeschichte / von Dr. Gottfried Kinkel
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378
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378 IX. Anfänge weltlicher Malerei in Italien auf Möbeln.

Neben der Bemalung eigentlicher Möbel war in reichen Fa-milien auch die Sitte ausgekommen, die Wände der Schlafzimmerund der Studirstuben mit Gemälden auf Einsatztafeln zu ver-zieren. Solche Räume wurden nämlich, der Wärme und desBehagens wegen, mit geschnitztem Holz getäfelt, dem man seineNaturfarbe ließ. Um aber den dunkeln Ton des Materials zubeleben, sparte man Rähmchen aus und setzte in diese Rähmchenfriesförmige bemalte Tafeln ein.

Von einem dieser Schlafzimnier in einem angesehenen Floren-tiner Bürgerhaus giebt uns Vasari , der es noch in feiner ganzenAnordnung erhalten sah, einen ziemlich klaren Begriff. Es warHochzeitkammer und eheliches Schlafgemach der Borgherini inderen Haus im Borgo Sti. Apostoli. Salvi, das Haupt der Fa-milie, hatte dasselbe bei der Heirat seines Sohnes mit MargheritaAcciajuoli ausschmücken lassen. Dieß fällt bereits in's erste Jahr-zehnt des 16. Jahrhunderts. Ruhebänke, Kasten, Stühle und Bett-statt hatte Baccio dÄgnolo aus reich geschnitztem Nußbaumholzsehr schön gearbeitet; dem sollte nun die Trefflichkeit der Gemäldeentsprechen. Neben dem großen Andrea del Sarto wurden nochdrei namhafte Meister gewonnen. Sämmtliche Bilder waren inOel, die Figuren klein, wie es für eine Dekoration paßt, die sichnicht aufdrängen soll. Das Ganze gab eine cyclische Darstellungder Geschichte des Joseph von Aegypten. Das Vorbildliche für eineHochzeitkammer sieht man sogleich: der fremden Frau hatte Josephwiderstanden, die Priestertochter aus der höchsten Kaste des frem-den Landes wurde ihm dafür zum Lohne. Das Kopfbrett desRuhebettes im Zimmer malte Granacci (III. 2. 264): Joseph denPharao bedienend, in einem perfpectivischen Gebäude. Auf zweiKasten im Zimmer malte Puntormo, wie Joseph in's Gefängnißgeführt wird, und wie er seinen Vater dem Pharao vorstellt; dazuin dem Winkel neben der Thüre ein ziemlich großes Bild, wo erseinen Vater und alle seine Brüder liebevoll aufnimmt (IV. 241).Letztere Arbeit galt in italienischen Künstlerkreisen für das besteBild, das Puntormo jemals geliefert. Andere Kasten, wie aucheinige der Einsatztaseln, übernahm Bacchiacca ; man konnte seinenStil von dem der andern unterscheiden (Bastiano von Sangallo,