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Mosaik zur Kunstgeschichte / von Dr. Gottfried Kinkel
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388
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388 IX. Anfänge weltlicher Malerei in Italien auf Möbeln.

wie Rom sie nie hatte. Wenn Ghirlandajo der Maler ist, mußer diese Sachen gemacht haben, ehe er Rom kannte.

Von der Geschichte der Lucretia , auf die man für Ver-zierung eines Brautkastens in Italien am allerersten fallen mußte,kenne ich zwei Exemplare.

XVI. Sammlung Campana (Nr. 80): Eine einzelne Scene,kein Langbild, daher wohl von einer der schmalen Seiten einerTruhe oder vom Kopfbrett einer Bettstatt. Man blickt wie ausder Vogelansicht in das Innere eines römischen Hauses, das vonhohen Zinnenmanern umgeben ist. Lucretia , ein häßliches, nurvier Zoll hohes Püppchen, erzählt, auf das inzwischen wieder sehrordentlich gemachte Bett deutend, mit einem ganz naiven Gesicht,was ihr passirt ist. Als Zuhörer Collatinus, Spurius, Valeriusund Brutus, alle in der Tracht des 15. Jahrhunderts. Die Na-men sind allen Personen beigeschrieben. Das Bild ist von dem-selben philiströsen Meister gemalt, von dem auch die Dido derselbenSammlung (oben Nr. XII.) herrührt.

XVII. Sehr schön ist dagegen der Tod der Lucretia vonFilippino Lippi im Palast Pitti zu Florenz (Sala cli Prometeo,Nr. 388). Die lose Composition der drei Gruppen, zwischen denenviel Raum bleibt, und das Friesformat der Tafel zeigen deutlich,daß dieß wieder ein Trnhenbild ist. Links wird Lucretia , denDolch noch in der Brust, aus den innern Gemächern in einengroßen offenen Saal herausgetragen, von wo eine Aussicht inLandschaft sich aufthut. In der Mitte liegt sie unter der Säuleeines Gottes, die (das Centrum der Halle einnimmt, von vielenPersonen umgeben, auf der Bahre; auf einer Estrade hinter ihrsteht ein Mann, wild den Dolch schwingend, den er aus ihrerBrust gezogen hat; er trägt die engen rothen Hosen der Zeit. DerTodten zu Häupten steht ein alter Mann, der wohl den Vatervorstellt. Rechts kommt ein lausender Mann mit einem Speerund ein Reiter heran. (Das Bild ist in Bardi's Gallerie duPalais Pitti aus Tafel 60 des 2. Bandes gestochen.)

XVIII, Sammlung Campana (Nr. 168): Die VestalinTuccia bezeugt ihre Unschuld, indem sie Wasser in einem Siebunverschüttet in den Tempel trägt. Sie kommt aus Einer Tafel